INTERVIEW: AXOOM

09.03.2017
Axoom-Manager Marc Detmers: „Wir nähern uns der Gesamtlösung, dem ,Hochglanz-Ferrari‘, nach und nach an“
Axoom
Marc Detmers: „Wir nähern uns der Gesamtlösung, dem ,Hochglanz-Ferrari‘, nach und nach an“

Marc Detmers: „Wir spielen nicht nur die Rolle des digitalen Transformators“

Axoom, Karlsruher Industrie-4.0-Tochter des Werkzeugmaschinenbauers Trumpf, hat das Glück, „nicht zu den auf der grünen Wiese gegründeten Start-ups zu gehören“, wie Marc Detmers es formuliert. Was das für das Mutter- und das Tochterunternehmen bedeutet, erläutert der Axoom-Marketeer im Interview.

Ist die Produktion von TrumpfAxoom sei Dank – schon komplett digitalisiert?

Marc Detmers: Die Produktion von Trumpf in Sachen Digitalisierung und Effizienz ist sicher schon sehr weit fortgeschritten. Und in Projekten für weitere Verbesserungen liefert Axoom als IT-Tochter durch alle Produktionseinheiten von Trumpf hindurch einen wichtigen Beitrag. Wir spielen zwar nicht hauptsächlich die Rolle des digitalen Transformators nur für Trumpf. Aber wir bieten unsere Lösungen am Markt jedem Maschinenhersteller und fertigenden Unternehmen an und haben es hier mittlerweile zu einer gewissen Markenbekanntschaft gebracht.

Wie ist das Geschäftsmodell von Axoom aufgestellt?

Detmers: In unsere Plattform können Partner ihre Bausteine einbringen – etwa als App für das Auftragsmanagement oder die Materialbeschaffung. Diese Apps stellen Partner in unserem App-Store und damit auf unserer Geschäftsplattform zur Verfügung. Damit kann sich jeder Anwender das zusammenstellen, was er braucht – sei es ein ERP-System oder den speziellen Baustein des Stahllieferanten.

„Wer die Einzelarbeiten nicht verknüpft, bekommt Aufträge nur noch schwer gebändigt“

Oder eben ein Manufacturing Execution System wie Xetics Lean, also ein Tool zur Fertigungssteuerung …

Detmers: Richtig. Diese Flexibilität für den Anwender ist für die Branche ein Quantensprung. Vor allem, weil viele der Prozesse derzeit immer noch häufig händisch über Fax und Telefon ablaufen. Aber das alles wird mittlerweile zu komplex und damit automatisierungsbedürftig.

„Online-Aktivitäten werden für uns immer wichtiger, vor allem, weil unser Produkt digital ist“

Welche Art von Kunden erschließen Sie sich vor diesem Hintergrund?

Detmers: Zunächst haben wir produzierende Unternehmen als Zielgruppe identifiziert. Das ist eine horizontale Sichtweise auf unseren Markt – entlang der einzelnen Schritte der Wertschöpfungskette. Sehr schnell kam auch der vertikale Blick hinzu, vom Sensor bis in die Cloud. Deshalb bieten und bewerben wir nun auch Lösungen für Maschinenhersteller.

Wie und über welche Kanäle betreiben Sie Ihr Marketing?

Detmers: In unserem Fokus befinden sich erstens Messeauftritte. Diese sind in unserer Branche unerlässlich, um mit den Zielgruppen in den direkten Kontakt zu kommen. Zweitens betreuen unser Partner Management und unser Vertrieb Partner und Kunden sehr aktiv. Drittens betreiben wir PR in der Fach- und Branchenpresse. Daneben werden Online-Aktivitäten für uns immer wichtiger, vor allem, weil unser Produkt digital ist. Online nimmt jedoch noch nicht denselben Stellenwert ein, wie unsere drei Hauptstoßrichtungen.

Welches Licht wirft die digitale Transformation auf das produzierende Gewerbe?

Detmers: Für gläserne Fertigungen oder einzelne vollautomatisierte Unternehmen im Sinne der Industrie 4.0 gestalten sich die Anforderungen weniger gravierend. Aber viele Unternehmen beginnen derzeit erst die digitale Reise und stoßen mit papierbasierten Prozessen spürbar an ihre Grenzen. In zahlreichen Branchen wie der Blechfertigung sinken zudem die Auftragsgrößen.

Das heißt …

Detmers: Es müssen immer mehr unterschiedliche Produkte in immer kürzerer Zeit produziert werden. Irgendwann bekommt man diese Aufträge nur noch schwer gebändigt, sofern man die Einzelarbeiten nicht verknüpft. Dieser Trend zu immer mehr Aufträgen in kleinen Losgrößen mit einem hohen Organisationsaufwand nimmt am Markt ganz klar zu, das belegen auch Studien.

Vimeo/Axoom
„Irgendwann bekommt man diese Aufträge nur noch schwer gebändigt, sofern man die Einzelarbeiten nicht verknüpft“

Sie müssen also für die gleichen Umsätze immer mehr Varianten bearbeiten …

Detmers: Individuelle Massenfertigung ist eine Herausforderung für einen großen Teil des produzierenden Gewerbes – nicht nur in Deutschland. Gleichzeitig ist es für die Digitalisierer eine Business Opportunity: zu verhindern, dass sich Auftragsstapel bilden oder dass Schnittstellen händisch bedient werden. Stattdessen setzen wir auf vernetzte Systemlandschaften, indem wir Apps integrieren, die auch agil austauschbar oder modular erweiterbar sind.

Was haben Sie als IT-Tochter eines Fertigungsspezialisten gelernt?

Detmers: Wir profitieren hier ganz klar von Erfahrungen. Beispielsweise kennen wir die Produktionswelt und wissen, dass Lösungen hier stabil und verlässlich sein müssen. Probleme zögen direkte Auswirkungen auf die Produktivität eines Unternehmens nach sich. Aber wir wissen, wie wir diese Verlässlichkeit herstellen können.

Axoom-Marketeer Marc Detmers: „Verhindern, dass sich Auftragsstapel bilden oder dass Schnittstellen händisch bedient werden“AxoomMarc Detmers: „Verhindern, dass sich Auftragsstapel bilden oder dass Schnittstellen händisch bedient werden“

Wie sichern Sie sich hier Ihr Innovationspotenzial?

Detmers: Wir tauschen uns mit Start-ups aus. Ein Beispiel: Unsere Konzernmutter Trumpf war Hauptsponsor bei dem CODE_n STARTUP CONTEST – mit einem besonderen Augenmerk auf das dort zugehörige Segment „Photonics 4.0“. Im Idealfall bekommen wir über dieses Netzwerk Anregungen sowie neue Partnerschaften und Apps in unser Portfolio.

„Keine Scheu haben und Neues, Gutes und Bewährtes innerhalb der Systeme nutzen“

Welches kulturelle Potenzial setzt das frei? Wie arbeiten Sie bei Axoom?

Detmers: Wir arbeiten in einem Scrum-Prozess mit kurzen, zweiwöchentlichen Sprints. Das hat den Charme, dass wir schnell vorwärtskommen, indem wir uns mit unseren Kunden eng über Anwendungen austauschen. Unterm Strich nähern wir uns dabei der kompletten Gesamtlösung, dem „Hochglanz-Ferrari“, nach und nach an. Das Fahrzeug fährt bereits von Anfang an sehr gut und wird nach und nach verbessert und ausgebaut. Und wir haben immer die Möglichkeit nachzustehen. Agilität ist quasi Programm.

Ist Axoom insofern das Labor der Firmenmutter Trumpf?

Detmers: Wir fahren – auch schon wegen der Kundendaten – mit einer eigenen IT auf komplett getrennten Systemen. Dabei sehe ich uns als eine Speerspitze bei der Agilität und der Entwicklung weiterer Start-up-Tugenden. Unser Credo lautet: keine Scheu zu haben und Neues, Gutes und Bewährtes innerhalb unserer Systeme zu nutzen. Und sicher profitiert hier auch die Trumpf Gruppe von neuen Pfaden, die wir sukzessive erschließen.

Über die Trumpf Gruppe und Axoom

Die Trumpf Gruppe in Ditzingen bei Stuttgart gehört zu den weltweit größten Werkzeugmaschinenanbietern. Mit mehr als 60 operativen Tochtergesellschaften ist sie weltweit in allen wichtigen Märkten vertreten. Die IT-Tochtergesellschaft Axoom in Karlsruhe stellt produzierenden Unternehmen und Maschinenherstellern eine durchgängige digitale Lösung zur Materialbeschaffung zur Verfügung und optimiert Produktionspläne.

Aber auch Logistik und Reporting fallen in das systemische Ressort der Badener. Gemeinsam mit der Muttergesellschaft Trumpf räumte Axoom 2016 den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft in der Kategorie Industrie 4.0 ab.

CODE_n Hackathon

Im Rahmen der Karlsruher Tech-Konferenz new.New Festivals im September 2016 fand erstmals der CODE_n Hackathon statt. Die dortige Aufgabe für Entwickler und Screen-Designer: binnen 24 Stunden ein funktionierendes, brauchbares Produkt in den Bereichen „Applied FinTech“, „Connected Mobility“, „HealthTech“ und „Photonics 4.0“ zu programmieren. Das Projekt lobten die CODE_n-Partner Accenture, Axoom, B. Braun, CyberForum, GFT, TRUMPF, Vector Informatik sowie der Stadt Karlsruhe aus.

Das Interview führte Kristina Schreiber

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