UMFRAGE ZUR E-WORLD

24.01.2017
Hoch im Kurs auf der E-world 2017: Neue, digitale Anforderungen an die Branche
Archivbild E-world 2016, Foto: Rainer Schimm
Hoch im Kurs auf der E-world 2017: Neue, digitale Anforderungen an die Branche

SIV, Telefónica, Zeppelin, HackerAgency Co.: „Digitalisierung bedeutet, Energieangebote flexibel und schnell umsetzbar zu gestalten“

Vom 7. bis 9. Februar 2017 gibt sich die Energie-Branche auf der Essener Leitmesse E-world ihr Stelldichein: Hier diskutieren Experten neue digitale Services, smarte Lösungen für Städte sowie die Digitalisierung in Richtung Endverbraucher. Unsere Trendumfrage beleuchtet den Stand der Dinge beim digitalen Wandel.

Stefanie Hamm, Geschäftsführerin E-world: „Die Digitalisierung verändert die Anforderung an alle Unternehmen der Energiebranche“Stefanie Hamm: „Die Digitalisierung verändert die Anforderung an alle Unternehmen der Energiebranche“

Glaubt man den Verantwortlichen in Unternehmen wie SIV, Telefónica, Zeppelin oder der datenorientierten HackerAgency, legt die digitale Transformation in der Energiebranche 2017 einen Zahn zu: Neue Geschäftsmodelle, die die Digitalisierung vorantreiben, reifen. Es entstehen neue Player. Energetische Platzhirsche erfinden sich neu.

Kurz: „Die Digitalisierung verändert die Anforderung an alle Unternehmen der Energiebranche“, bringt es Stefanie Hamm auf den Punkt, Geschäftsführerin der E-world. Am Markt herrsche genügend Druck, der dafür sorge, das sich Marktteilnehmer an sich wandelnde Kundenbedürfnisse und Regularien anpassten.

Sechs Top-Trends auf der E-world

Trend #1: Kunden, Prozesse und Systeme als strategische Management-Aufgabe

Wie war das mit dem Öl (oder wahlweise Gold) des 21. Jahrhunderts? Andrea Ahlemeyer-Stubbe, Director Strategical Analytics bei den Münchner Datenanalytikern von HackerAgency, erwartet in diesem Jahr als einen der Top-Trends „Lösungen zur Online-Vermittlung von Services und zur individualisierten Kundenkommunikation über alle Kanäle“.

Bereichsleiter Energie- und Wasserwirtschaft SIV.AG, Dr. Guido Moritz: „Zukunft der Digitalisierung liegt in CloudDr. Guido Moritz: „Zukunft der Digitalisierung liegt in der Cloud, wo Skaleneffekte gehoben und Services verknüpft werden können“

„Die Nachfrage nach ganzheitlichen Lösungen für ein digitales Dokumenten- und Kundenbeziehungsmanagement steigt“, ergänzt Dr. Guido Moritz, Bereichsleiter Energie- und Wasserwirtschaft bei dem Lösungsanbieter SIV.AG in Roggentin (Harris Gruppe). Erst auf dieser Basis ließe sich die Prozesseffizienz ankurbeln, die Servicequalität erhöhen und der Energievertrieb erfolgreicher gestalten.

„Lösungen zur Online-Vermittlung von Services und zur individualisierten Kundenkommunikation über alle Kanäle“

Allein durch das Messstellenbetriebsgesetz mutiere ein per se technisches Thema zur strategischen Management-Aufgabe. Wo Technik und Strategie gut zusammenfinden dürften: „Die Zukunft der Digitalisierung sehen wir in der Cloud, wo schnell, performant und harmonisiert Skaleneffekte gehoben und Services verknüpft werden können“, ergänzt Moritz.

Trend #2: Schnell und datenbasiert handlungsfähig

Dr. Jan Fleck, Senior Innovation Strategist Future Candy, über B2B-RelevanzDr. Jan Fleck über B2B-Relevanz: Zusammenführung aller Smart-Home-Bauteile, -Algorithmen, -Steuerung und -Bedienung auf einem einzigen „Betriebssystem“

Entsprechend braucht es für die Analyse und die Automation von Schnittstellen nicht nur eine IT-Infrastruktur: „Es werden sich Big-Data-Konzepte und Tools etablieren, die das Sammeln, Analysieren und Nutzen der anfallenden Daten unterstützen, die nutzerfreundlich sind und auf die Bedürfnisse von Energieversorgern zugeschnitten werden können“, prophezeit Ahlemeyer-Stubbe. Besonderen Wert legten Anwender zunehmend darauf, Daten gewinnbringend zu nutzen – übrigens auch auf dem Gebiet intelligenter Immobilien.

„Es werden sich Big-Data-Konzepte und Tools etablieren, die das Sammeln, Analysieren und Nutzen der anfallenden Daten unterstützen, die nutzerfreundlich sind und auf die Bedürfnisse von Energieversorgern zugeschnitten werden können“

Je stärker die Zahl der Smart Homes in den kommenden zwei Jahren steige, desto stärker flössen auch „wertvolle Daten“. Diese müssten Anbieter vor allem einsetzen, um die Kundenloyalität zu steigern sowie dazu, die Energiebereitstellung und -verteilung zu optimieren.

Technologisch richtet sich der Blick auf die Zusammenführung aller Bauteile mit sensiblen Sensoren, Chips und Kameras sowie mit smarten Algorithmen – inklusive Steuerungsmöglichkeiten und Bedienbarkeiten (auch über Sprache und Gesten) und auf ein gemeinsames „Betriebssystems“ jedes smarten Zuhauses, ergänzt Dr. Jan Fleck, Senior Innovation Strategist bei der Unternehmensberatung Future Candy in Hamburg. Er rechnet bis 2020 mit 50 Milliarden vernetzten Endgeräten, die die Industrie bündeln müsse.

Andrea Ahlemeyer-Stubbe, Director Strategical Analytics HackerAgency: „Neue Regelungen der Datenschutz-Grundverordnung nicht unterschätzen“Andrea Ahlemeyer-Stubbe: „Neue Regelungen der Datenschutz-Grundverordnung nicht unterschätzen“

Die Herausforderungen sind – zurück zum dazugehörigen Datenfluss – groß: „Es gilt etwa, maßgeschneiderte Konzepte zu entwickeln, Mitarbeiter zu schulen, neue Technologien zu integrieren und Prozesse zu installieren“, zählt Ahlemeyer-Stubbe auf. Ferner dürften Anbieter die neuen Regelungen der im Mai 2018 in Kraft tretenden Datenschutz-Grundverordnung (wie TONNO DIGITALE berichtet) nicht für ihr Geschäft unterschätzen.

Trend #3: Lösungen für die dezentrale Energieversorgung

Derweil setzt sich beegy, Münchner Experten für die dezentrale Energieversorgung, mit dem „Energie-Management aus einer Hand“ auseinander: „Komplettanbieter müssen Produkte und Dienstleistungen anbieten, die die gesamte Wertschöpfungskette widerspiegeln“, erläutert Henrik Schapp, Head of Marketing & Community Services bei beegy. „Die Digitalisierung bietet heute enorme Möglichkeiten, Energieangebote flexibel, leicht adaptierbar und schnell umsetzbar zu gestalten“, begründet Schapp.

Henrik Schapp, Head of Marketing & Community Services beegy, warnt vor „zu heterogenen Systemen“Henrik Schapp warnt vor „zu heterogenen Systemen“

Aber Achtung: Bei der praktischen Umsetzung müssten Energieversorger darauf achten, den Endkunden auch mitzunehmen und ihn nicht zu überfordern. Damit Kundenorientierung zu einer runden Sache, anstatt zu einem Lippenbekenntnis werde, seien Partnerschaften unerlässlich. „Man muss aber auch aufpassen, dass man durch viele kleine Partnerschaften mit sehr spezialisierten Anbietern keine zu heterogenen Systeme schafft“, warnt Schapp.

„Digitalisierung bietet enorme Möglichkeiten, Energieangebote agil zu gestalten“

Stattdessen brauche es die gemeinschaftliche Verteilung und intelligente Vernetzung. Und es bedürfe „der Möglichkeit, in Zukunft Produkte nachzurüsten und dabei nicht wieder auf komplett neue Systeme zu setzen“, so Schapp.

Trend #4: Brückentechnologien hin zu smarter Messtechnologie

Dr. Stefan Krausz, Geschäftsführer pixolus: „Digitale Zähler sind oft noch nicht smart“Dr. Stefan Krausz: „Digitale Zähler sind oft noch nicht smart“

Trotz des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende bleibt eine große Unsicherheit rund um den anvisierten Roll-out intelligenter Messtechnologie. Davon ist jedenfalls Dr. Stefan Krausz überzeugt, Geschäftsführer von pixolus in Köln, einem Anbieter von Erkennungslösungen für die visuelle Datenerfassung: „Künftig werden nur wenige Smart Meter, dafür aber weitaus mehr moderne Messeinrichtungen eingebaut werden. Also digitale Zähler, die oft noch nicht smart sind“, betont Krausz.

„Künftig werden nur wenige Smart Meter, dafür aber weitaus mehr moderne Messeinrichtungen eingebaut werden“

Diese semi-klugen Messeinrichtung würden zwar den Verbrauch messen, sendeten diesen aber nicht automatisch an den Betreiber. Noch müssten viele Zähler manuell abgelesen werden. Um wenigstens ein Stück weit aus der Metering-Steinzeit auszubrechen, brauche es moderne Prozesse: damit Kunden Zählerstände entspannt ablesen und Unternehmen diese Daten effizient erheben (lassen) und nutzen können – etwa über eine Kunden-App mit integriertem Ablese-Tool. „Hiermit werden Zählerstände schnell, einfach und zuverlässig erfasst“, betont Krausz.

Trend #5: Damit Smart Metering Netze beflügelt

Sven Koltermann, Leiter Energy M2M/B2B Telefónica Deutschland, rechnet mit „zahlreichen neuen Anwendungsmöglichkeiten“Sven Koltermann rechnet mit „zahlreichen neuen Anwendungsmöglichkeiten“

Unterdessen bleibt die Entwicklung im Smart Metering nicht stehen. Nach den Worten von Sven Koltermann, Leiter Energy M2M/B2B bei Telefónica Deutschland, rücken jetzt Anwendungen in den Vordergrund, die Stromverbraucher in Abhängigkeit vom Strompreis steuern, wenn der Energieversorger flexible Tarife anbietet.

Dies ziehe sich hin bis zu Smart-City-Themen: „Ganz gleich, ob es dabei um die bedearfsgerechte Steuerung von Straßenbeleuchtung oder die Lenkung von Verkehrsflüssen geht“, skizziert Koltermann, der mit zahlreichen neuen Anwendungsmöglichkeiten rechnet.

„Die Energiewirtschaft muss sich auf komplexe Kommunikations- und Steuerungsnetze einstellen, die unterschiedliche Technologien wie Mobilfunk, Mesh-Netze, Powerline und andere nutzen“

Um die dazugehörige Datenkommunikation sicherzustellen, böte sich Mobilfunk geradezu an. Ein gelungenes Beispiel stelle Next Kraftwerke dar. Das Unternehmen vernetzt über eine Lösung von Telefónica rund 3.000 dezentrale Stromerzeuger und -verbraucher „für den notwendigen Ausgleich von Stromangebot und Stromabnahme“, schwärmt Koltermann.

Indes: „Es gibt nicht die eine Technologie, die als einzige alle Steuerungspunkte der Energienetze erreicht“, mahnt der Telefónica-Manager. „Deshalb muss sich die Energiewirtschaft auf komplexe Kommunikations- und Steuerungsnetze einstellen, die unterschiedliche Technologien wie Mobilfunk, Mesh-Netze, Powerline und andere nutzen.“

Trend #6: Virtuell die Anlagenverfügbarkeit erhöhen

Günter Höfflin, Gesamtserviceleiter Zeppelin Power Systems: „Eine möglichst hohe Anlagenverfügbarkeit erreichen“Günter Höfflin: „Eine möglichst hohe Anlagenverfügbarkeit erreichen“

Digitalisierung wird auch bei der Abwicklung von Kundenservices wichtiger: „Der virtuelle Zugriff auf Kundenanwendungen von außen ist ein ständiges Hilfsmittel unserer Service-Techniker“, betont Günter Höfflin, Gesamtserviceleiter bei Zeppelin Power Systems, Hamburger Systemlösungsanbieter für Not- und Dauerstrom.

Es sei sehr effizient, wichtige Parameter digital zu überwachen – gepaart mit der Möglichkeit, dass sich Techniker direkt in die Anlage einwählen. „Dies ermöglicht es, Fehler schnell zu finden und zu lösen – häufig ohne Eingriff eines Service-Technikers vor Ort“, erklärt Höfflin.

„Fehler schnell lösen – ohne Eingriff vor Ort“

Einschlägige Lösungen würden ständig weiterentwickelt, um noch detailliertere Motorinformationen auszuwerten. Höfflins Ziel ist es, „eine möglichst hohe Anlagenverfügbarkeit zu erreichen“.

Marketeers’ Summary

Die Energiebranche befindet sich in einem gewaltigen Umwälzungsprozess mit einem sich auch 2017 dynamisch verändernden Wettbewerbsumfeld. Aktuell schrumpfen bei vielen Marktteilnehmern einzelne Glieder der Wertschöpfungskette. Der Markt wird heterogener und kleinteiliger. Das birgt Risiken und enorme Chancen zugleich – etwa bei Services und im Vertrieb. Immerhin: Neben den technologischen Herausforderungen sollten Unternehmen ihr größtes Gut nicht vernachlässigen: ihre Kunden.

Autorin: Kristina Schreiber

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