Interview: Corporate Blog Handelskraft

21.02.2019
„Kundengewinnung ist nicht oberste Priorität“
Quelle: Nicole Honeywill/Unsplash
Die große Kunst eines erfolgreichen Corporate Blogs: Der Leserschaft immer wieder mit neuen Faszinationen begeistern

„Kundengewinnung ist nicht oberste Priorität“

[Lesezeit: 3 Minuten] Corporate Blogs in Deutschland sind so vielfältig wie die Unternehmenslandschaft selbst. Dabei gibt es konzeptionell und qualitativ eine riesige Spannbreite: Auf der einen Seite Blogs, die sich im Wesentlichen „um sich selbst drehen“, lediglich Unternehmensnews und damit dem Leser kaum einen Mehrwert bringen. Und andererseits hoch frequentierte Seiten, die mit gutem Content als wichtige Newsquelle dienen – auch unabhängig vom dahinterstehenden Unternehmen. Ein Blog, dem das zunehmend gelingt, heißt Handelskraft (www.handelskraft.de). Wir haben mit Oliver Kling, einem der Köpfe hinter diesem Projekt unter Anderem darüber gesprochen, wie es möglich ist, täglich aufs Neue Artikel zu veröffentlichen, die das Interesse von bestehenden und potenziellen Kunden treffen.

Herr Kling, Ihr Blog ist mit mehr als 6.000 Feed-Abonnenten einer der Top-30 Corporate-Blogs in Deutschland. Was findet man auf Ihrem Blog und wer liest das Ganze?
Kling: Wir haben mit unserem Fokus auf Onlinehandel und digitale Transformation für Händler, Hersteller und Verlage eine gute Nische gefunden. Das wird von einer Menge leitender Angestellter gelesen, die den digitalen Wandel in ihren Unternehmen treiben. Wir sind also kein High-Frequency-Blog, der auf jeden Hype aufspringt. Das wäre auch keine gute Idee. Andere Blogs machen diesen Job schon gut.

Wollen Sie damit in erster Linie Neukunden gewinnen und Bestandskunden für Ihr Unternehmen binden? Oder was treibt Sie an?
Kling: Klar ist Kundengewinnung und -bindung ein Ziel für unseren Blog, da müssen wir nicht lügen. Aber es ist nicht oberste Priorität. Wir schreiben Artikel und Analysen zu Themen, die uns bei „Den Anderen“ fehlen. Was interessiert uns, was verdient eine tiefere Analyse und welche Fragen stellen sich die Macher und Macherinnen in den Unternehmen?

Corporate Blog als Wissensspeicher

Das Wissen darum, welche Fragen die Leser umtreiben, ist ja ein denkbar wertvolles. Wie kommen Sie denn an „guten Content“, der diese Fragen so erfolgreich bedient?
Kling: Wir haben den Vorteil, mit einer Menge Unternehmen sehr intensiv sprechen zu können und dort Fragen, Wissensdurst, aber auch Antworten zu identifizieren, wie es nur wenige andere Blogs bieten. Es muss eben nicht immer Facebook, Amazon, Zalando und Adidas sein. Alle Unternehmen stehen gerade vor einem Wandel. Dort wollen wir sein und das nimmt man uns auch ab. Weniger Buzzworte, mehr Know-how. Handelskraft ist daher auch ein Wissensspeicher für uns.

Vom „Wissensspeicher Corporate Blog“ profitiert also die Agentur, dotSource, die hinter Ihrem Blog steckt – lassen sich Agentur und Blog überhaupt voneinander trennen?
Kling: Die Fragen nach den Interessen der Kunden sind für die Arbeit der Agentur offenkundig extrem wichtig und deswegen machen wir auch kein Geheimnis daraus, dass dotSource „dahintersteckt“. Insofern lässt sich das nicht trennen. Handelskraft und dotSource sind untrennbar verwoben. Am Ende muss es ein Win-Win-Win geben. Für die Gäste, unsere Partner und uns – sowohl für den Blog, als auch für die Agentur.

Aktuell findet man auf Ihrem Blog man fast 4.000 Artikel – und täglich kommen mehr dazu. Wie viele Menschen arbeiten daran und wer koordiniert das?
Kling: Mittlerweile sind wir eine richtige Content-Redaktion von acht Leuten. Die Arbeit geht dabei aber über den Blog hinaus. Personell trennen lässt sich dieses Maß jedoch nur bedingt, da unser Content immer eingebettet funktionieren soll, weswegen die gesamte Redaktion am Erfolg des Content-Marketings beteiligt ist. Es fließt also eine beachtliche Work-Force in unsere Arbeit. Es ist großartig, dass wir als Team diese Chance haben, gerade in Zeiten in denen Redaktionen eher schrumpfen und prekär beschäftigen.

Corporate Blogs als Fachmedien der Zukunft?

Stichwort schrumpfende Redaktionen: Wie sehen Sie die Zukunft von redaktionellen Fachmedien – auch mit Blick auf die Zukunft von Corporate Blogs wie Ihrem?
Kling: Wir sind natürlich keine Medienforscher und das Feld Blogs und Onlinejournalismus ist ein sehr weites. Fakt ist, dass gute Arbeit Zeit und Geld braucht, sonst schreiben am Ende alle nur oberflächliches Gewäsch voneinander ab, in der Hoffnung die Ersten zu sein. Außerdem ist Werbung eben nicht gleich guter Content. Wenn manche Unternehmen ihr Produkt im Blog jede Woche abfeiern, ohne nach links und rechts zu blicken, dann unterschätzen sie ihre Leserschaft. Deswegen werden Fachmagazine (online und print) nicht so bald verschwinden.

Der Vorteil einer Blog-Perspektive wie unserer ist es aber zum Beispiel „über den Tellerrand schauen“ zu können. Das heißt, zu vermitteln, was ein Maschinenhersteller von einem Fashion-Player lernen kann und umgekehrt. Da gibt es einiges!

Haben Sie in der Vergangenheit Fehler gemacht, vor denen Sie andere warnen würden, die Ihren Corporate Blog aufsetzen?
Kling: Gastartikel und sponsored Articles im eigenen Blog wirken oft nach einer guten Gelegenheit, Content zu gewinnen. Das machen wir aber schon ewig nicht mehr. Qualität, Koordination, Leserfeedback – bedeutet alles hohen Aufwand. Dann lieber authentischen Unique-Content selbst schreiben, denn die meisten Gastartikelanfragen sind eher unterdurchschnittliche Werbetexte.

Oliver Kling

Oliver Kling ist seit Januar 2016 Teil des Handelskraft-Teams der Digital-Agentur dotSource. Zusammen mit seinen Kollegen blickt er auf die Welt des digitalen Handels und präsentiert Trends, Entwicklungen und Innovationen im Blog, auf Konferenzen und via Social-Media in Text, Ton und Bild.
In seinen Beiträgen verknüpft er verschiedene Positionen, ordnet kritisch ein und versucht damit, zuversichtlich in die Zukunft des digitalen Lebens zu schauen.

Autor: Julian Christ

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