Interview: Corporate Blog Projecter

20.03.2018
Themenfindung, Relevanz und Reichweite – über das und mehr spricht Katja von der Burg im Interview
Quelle: Unsplash/freddie marriage
Themenfindung, Relevanz und Reichweite – über das und mehr spricht Katja von der Burg im Interview

„Content Marketing funktioniert, ist aber harte Arbeit.“

[Lesezeit: 5-7 Minuten] Was zeichnet einen erfolgreichen Corporate Blog aus? Eine, die es wissen muss, ist Katja von der Burg von der Leipziger Online-Marketing-Agentur Projecter. Im Interview erzählt sie unter anderem, wie es ihr B2B-Blog auf Platz sieben der 30 erfolgreichsten deutschen Blogs geschafft hat.

Katja von der Burg, Geschäftsführerin und Gründerin der Online-Marketing-Agentur ProjecterQuelle: UNRAU FOTOGRAFIEKatja von der Burg, Geschäftsführerin und Gründerin der Online-Marketing-Agentur Projecter

Seit zehn Jahren gibt es die Online-Marketing-Agentur Projecter bereits in Leipzig. Genauso lange gibt es auch schon den hauseigenen Corporate Blog, der im Februar von Faktenkontor und dpa News Aktuell auf Platz sieben der 30 erfolgreichsten Corporate Blogs in Deutschland gerankt wurde. Katja von der Burg, Geschäftsführerin und Gründerin der Agentur, verrät uns, wie sie und ihr Team aus Account Managern und Trainees das geschafft haben, woher sie seit zehn Jahren die Inspiration für ihre Texte bekommen und wie das mit dem Reichweitenaufbau funktioniert.

Sie zählen mit Projecter zu den erfolgreichsten Corporate Blogs in Deutschland. Wie haben Sie das gemacht?

Katja von der Burg: Von der Platzierung waren wir ehrlich gesagt auch sehr überrascht. Wir wissen zwar, dass unser Blog eine gute Qualität hat und arbeiten daran auch hart. Aber wir bewegen uns mit dem Online Marketing natürlich in einer recht kleinen B2B-Nische, was die Themen angeht. Ausschlaggebend für den Erfolg im Ranking dürfte die Kombination aus folgenden Faktoren gewesen sein: Alter und Historie des Blogs, sehr hohe prozentuale Reichweite innerhalb unserer Nische und mehrere aktive Social-Media-Auftritte, über die die Blogbeiträge verteilt werden, vor allem Facebook und Twitter. Mit mittlerweile weit über 1500 Blogbeiträgen hat sich da auch einiges angesammelt.

Über 1.500 Beiträge gibt es inzwischen auf dem Projecter BlogQuelle: Screenshot Projecter-BlogÜber 1.500 Beiträge gibt es inzwischen auf dem Projecter Blog

Woher kommen diese ganzen Beiträge?

Von der Burg: Ich glaube, es gibt fast niemanden in unserem Team von 45 Mitarbeitern, der noch nie einen Blogbeitrag geschrieben hat – der Blog wird komplett vom Team getragen. Alle Account Manager und Trainees schreiben jeweils mindestens drei fachbezogene Blogbeiträge pro Jahr, wobei es Kollegen gibt, die deutlich mehr beisteuern. Dazu gibt es die monatlichen Auslesen, Vorstellungen neuer Kollegen und so weiter.

Worin liegt Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung bei einem Corporate Blog für eine B2B-Zielgruppe? Wie lösen Sie diese Herausforderung?


Von der Burg: Am schwierigsten ist es, an hochwertigen Content zu kommen. Das Verfassen eines anspruchsvollen Fachbeitrags kann locker einen ganzen Arbeitstag in Anspruch nehmen. Die Zeit und die Ressourcen dafür müssen erst einmal geschaffen bzw. mühsam freigeschaufelt werden. Wenn der Content wirklich aus dem Unternehmen selbst kommen soll – und dazu sehen wir bei uns schon aus Gründen der Berufsehre keine Alternative – dann funktioniert das nur, wenn die Bedeutung des Blogs jedem bewusst ist. Unser Blog ist seit vielen Jahren unser wichtigstes Akquise-Instrument und sorgt dafür, dass immer so viele Anfragen bei uns ankommen, dass wir noch nie auf Kaltakquise angewiesen waren. Content Marketing funktioniert, ist aber harte Arbeit.

Wie finden Sie Ihre Themen? Wodurch lassen Sie sich inspirieren?

Von der Burg: Es gibt eine ganze Reihe von festen Themen, die immer wiederkehren, wie zum Beispiel unsere monatlichen Auslesen, das sind Zusammenfassungen der wichtigsten fachlichen Neuigkeiten eines Monats pro Fachbereich. Oder die Vorstellung neuer Mitarbeiter.

Alle weiteren Artikel werden in einem Redaktionsplan erfasst, damit wir vorarbeiten können. Komplexe Fachthemen erfordern oft eine längere Vorbereitungsphase. Hinzu kommen aktuelle Themen, bei denen wir uns zu Branchenentwicklungen oder Veränderungen wie zum Beispiel bei Facebook oder Google Adwords äußern. Und ein bisschen Berichterstattung übers Unternehmen – also Veranstaltungen, Teamausflüge etc. – gehört auch dazu. Inspiration sind natürlich auch andere Blogs, von denen wir sehr viele lesen und verfolgen, da sie wichtige Informationsquellen für unsere tägliche Arbeit darstellen. Die meisten Ideen entstehen aber tatsächlich aus der Kunden- und Account-Arbeit heraus.

Wie gelingt es Ihnen, Relevanz in Ihrer Zielgruppe herzustellen?

Von der Burg: Unser Blog wird hauptsächlich von Online-Marketing-Interessierten gelesen – das können Marketing Manager, andere Agenturen, aber auch Studenten oder potenzielle Bewerber sein. Solange wir uns also in diesem Themenbereich aufhalten, ist unser Blog automatisch relevant.

Durch die lange Historie von Fachartikeln haben wir zudem einen sehr guten Ruf als neutrale Informationsquelle und stehen nicht in dem Verdacht, unsere Inhalte zu werblich oder subjektiv zu gestalten. Ich denke, dieses Vertrauen muss man sich mit gutem Content über einen gewissen Zeitraum erarbeiten und genießt es dann sowohl bei den Lesern als auch bei Google in den Rankings.

Und wie gelingt der Reichweitenaufbau?

Von der Burg: Die Reichweite des Blogs kommt zum einen aus den Rankings bei Google. Hier spülen teilweise auch recht alte Artikel noch Besucher auf unsere Seite, da sie für gewisse Keywords weit oben stehen. Im Laufe der Jahre führt das kumuliert zu einem sehr stetigen Besucherstrom.

Die zweite – und noch wichtigere – Quelle sind unsere Social Media Präsenzen. Sehr viele unserer Leser haben uns auf diesen Plattformen abonniert und erfahren so von neuen Artikeln. Diese Stammleser holen wir dann auch wiederum mit unseren monatlichen Newslettern ab, wo die wichtigsten kanalspezifischen (Suchmaschinenmarketing, SEO, Affiliate Marketing und Social Media Marketing) Neuigkeiten quasi frei Haus geliefert werden. Dafür bekommen wir regelmäßig sehr positives Feedback, was uns zeigt, dass diese Kombination gut funktioniert und angenommen wird.

Was sind Ihre wichtigsten Learnings als Corporate Blogger? Und welche Dos und Dont’s würden Sie hierfür für andere Blogger ableiten?

Von der Burg: Die mit Abstand wichtigste Erkenntnis ist, dass Offenheit und Transparenz deutlich mehr Nutzen als Schaden bringen. Wir haben ganz am Anfang bei der Entscheidung für den Blog sehr kontrovers diskutiert, ob wir wirklich unser Fachwissen auf diese Art preisgeben wollen. Was, wenn die Konkurrenz uns alles nachmacht? Zehn Jahre später kann ich im Rückblick sagen, dass wir zwar regelmäßig kopiert werden und sicherlich auch der Konkurrenz gelegentlich „aushelfen“, dass aber die positiven Aspekte unseres Blogs das mehr als wettmachen. Gerade in einer Branche, die auf Vertrauensgeschäften basiert, ist der offene Umgang mit Fachwissen und Einblicken in die Agentur für potenzielle Kunden ein wichtiger Anhaltspunkt, der Agentur das nötige Vorschussvertrauen entgegenzubringen.

Lesen Sie hier „Drei Tipps vom Profi: Darauf kommt's beim B2B-Corporate-Blog an"

Die Fragen stellte Mareike Redder.

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