Serie: Souverän vor Kamera und Publikum (Teil #4)

25.06.2019
Ein Mann vor der Kamera mit einer Klappe
Quelle: unsplash.com/avel chucklanov
Klappe! Kamera! Und bitte! Spätestens jetzt sollten Sie als Protagonist vor der Kamera wissen, was von Ihnen erwartet wird.

Eine Frage des Formats

[Lesezeit: 4-6 Minuten] Bewegtbildformate werden immer wichtiger und damit auch die Fähigkeit von Führungspersonen, dabei zu glänzen. Allerdings erfordert jedes Format, in dem sich eine Führungsperson vor der Kamera zeigt, ganz eigene Verhaltensweisen. Diese zu kennen ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass der Auftritt vor der Kamera die gewünschte Wirkung erzielt. Wir geben einen Überblick über die entscheidenden Basics und die wichtigsten Formate. Christoph Schmitz, Gründer und Geschäftsführer der Filmproduktionsfirma 3eins, liefert dazu Expertentipps aus der täglichen Praxis.

„Bewegtbildkommunikation muss auch ein bisschen Entertainment sein“
Für alle Formate gilt: „Ihre Botschaft darf nicht nur Ihre Pressemeldung korrekt wiedergeben, sondern sie muss authentisch sein. Bestenfalls macht es sogar Spaß, sie zu sehen“ sagt Christoph Schmitz, Gründer und Geschäftsführer von 3eins im Interview mit TONNO DIGITALE. Das werde in Deutschland häufig noch vergessen: Amerikaner und Niederländer hingegen würden häufig viel lockerer sprechen und schneller und entspannter auf den Punkt kommen. Das mache eine Botschaft emotionaler und gleichzeitig glaubwürdiger.

Dieser Grundsatz muss auch mitgedacht werden, wenn es zu einem Auftritt auf Anfrage eines Fernsehsenders oder einer Produktionsfirma kommt. TV-Profis unterscheiden verschiedene Formate, die jeweils eigene Merkmale und Besonderheiten haben. Je besser die spezifischen Erfordernisse bekannt sind, desto zielsicherer die Vorbereitung.

Interview für einen Nachrichtenbeitrag
Für dieses Format muss sich der Interviewte vor allem darüber bewusst sein, dass es sich hierbei um kein Gespräch handelt, das später als solches aufgezeichnet wird. Die Fragen des Interviewers strahlt der Sender in der Regel nicht aus. Er zeigt nur ausgewählte Antworten, die der Zuschauer eventuell nur in Teilen und gegebenenfalls in einer neuen Reihenfolge zu sehen bekommt. Jede Antwort, jeder Satz muss daher – anders als im klassischen Gespräch – vollständig, in sich abgeschlossen und ohne weitere Erklärungen verständlich sein. Die Aussage darf außerdem keinen Bezug auf Inhalte nehmen, die vorher an anderer Stelle gesagt wurden, die Zuschauer aber nicht sehen oder hören konnten.

Studiogespräch
Bei einem Studiogespräch bzw. einer Live-Schalte sitzt der Interviewte in einem Studio und wird dem Fragesteller zugeschaltet – beide sind für den Zuschauer zu sehen. Entscheidend ist hier vor allem: Sie haben nur wenig Zeit (ca. 1:30 - 3:30 Minuten) und dürfen nicht ausufern – die Antworten müssen also perfekt sitzen. Sie sollten dabei versuchen, die kurze Zeit dafür zu nutzen, sich schnell in Ihrem Sinne darzustellen. Die Tatsache, dass der Zeitrahmen begrenzt ist und Ihre Aussagen in der Regel sofort "on air" gehen, können Sie zu Ihrem Vorteil nutzen.

Talkshow
Eine Talkshow, zumal im Fernsehen, ist ein sehr lebendiges Format. Rede und Gegenrede folgen eng aufeinander, auch wenn es hier weniger um Inhalte als vielmehr um Wirkung geht. Daher sollten Sie nicht darauf warten, dass der Moderator Ihnen das Wort erteilt, sondern sich mutig und entschlossen mit Ihren Positionen in die Diskussion einbringen. Die große Kunst ist es hier, dabei nicht primär Mitdiskutanten und Moderator gefallen zu wollen, sondern in erster Linie einen starken Eindruck beim Publikum zu hinterlassen. Einen ausführlichen Beitrag zu dieser Herausforderung können Sie hier lesen oder sich hier mit Rhetorik-Tipps vorbereiten.

Produktionen für das eigene Unternehmen
Für einen Imagefilm haben Sie alles selbst in der Hand: Von der Szenenauswahl über die Kameraeinstellungen bis zum Text können Sie alles ganz in Ihrem Sinne planen. Damit Sie dieses große Potenzial allerdings effektiv ausschöpfen, ist die Expertise von Profis empfehlenswert. Sonst laufen Sie Gefahr, einfache und leicht vermeidbare Fehler zu machen.

Mit dem passenden Know-how, so Christoph Schmitz, finde man in jedem Unternehmen starke Bilder, die zu den jeweiligen Botschaften passen – und vor allem darauf komme es an.

Reportage
Für Image-Filme gilt dabei ein Grundsatz, der genauso das Format der Reportage betrifft: Achten Sie darauf, dass die Situation, in der Sie gefilmt werden, nicht gekünstelt wirkt. Häufig werden Sie vorab besprochene Fragen beantworten, während Sie sich in einer typischen Arbeitssituation befinden. Wenn Sie merken, dass Sie sich nicht wohlfühlen oder die Situation unecht wird, sollten Sie sofort intervenieren.

Schmitz weist im Zusammenhang mit TV-Reportagen außerdem auf das Risiko fehlender Kontrolle hin: „Führungspersonen sollten immer darauf achten, dass, wenn sie nicht die volle Kontrolle über den Beitrag haben, ihr Interview immer nur mit einer Kamera gedreht werden darf. Sonst sind die Manipulationsmöglichkeiten zu groß.“

Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, sollte Ihr Team Journalisten ein so genanntes EPK (Electronic Press Kit) zur Verfügung stellen, das gute Aufnahmen aus dem Unternehmen enthält. Mit diesem Material können die Berichterstatter leichter einen positiven Beitrag über das Unternehmen erstellen. Gleichzeitig ist für sie damit ein geringer Aufwand verbunden und für das Unternehmen sinkt das Risiko, unvorteilhaft dargestellt zu werden.

Christoph Schmitz 3eins Quelle: Christoph Schmitz

Christoph Schmitz, Gründer und Geschäftsführer der Filmproduktionsfirma 3eins: „In Zeiten schnelllebigen Medienkonsums wird Bewegtbildkommunikation immer wichtiger. Anders als auf anderen Kanälen bekommen Sie hier noch für kurze Zeit 100 Prozent Aufmerksamkeit für Ihre Botschaften. Umso wichtiger ist es, dass diese professionell verpackt sind.“

Management Summary
Unterschiedliche Bewegtbildformate fordern jeweils unterschiedliche Verhaltensweisen und Gesprächsstrategien. Während es in einer Situation vor allem gilt, kurze, alleinstehende Botschaften zu setzen, kommunizieren Sie an anderer Stelle vor allem dann erfolgreich, wenn Sie geschickt mit Ihrem Gegenüber interagieren.

Um die verschiedenen Formate zu beherrschen und dazu fähig zu sein, jeweils die richtigen Botschaften angemessen zu platzieren, brauchen Unternehmenssprecher eine professionelle Vorbereitung und regelmäßige Praxistrainings – denn nur theoretisches Wissen reicht im Ernstfall nicht aus.

Lesen Sie auch die vorherigen Teile unserer Serie „Souverän vor Kamera und Publikum“:

Autor: Julian Christ

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