Serie: Souverän vor Kamera und Publikum (Teil #2)

27.03.2019
Geschäftsführer Fernsehen Auftritt Coaching
Quelle: unsplash.com/Normali Emilio
Das Rollenverständnis ist essenziell, um einen professionellen TV-Auftritt abzuliefern.

Gutes Verständnis für die eigene Rolle macht Führungskräfte erfolgreicher

[Lesezeit: 5 Minuten] Führungskräfte tragen bei TV-Auftritten ein Höchstmaß an Verantwortung. Denn in der Wahrnehmung des Zuschauers verschmelzen Repräsentant und seine Organisation in diesem Augenblick miteinander. Die große Herausforderung dabei ist es, persönliche und repräsentative Aspekte in Einklang zu bringen. Um diesen Spagat erfolgreich zu meistern, ist für sie daher eines entscheidend: Sie müssen im Vorfeld ein klar definiertes Rollenverständnis entwickelt haben, um ihre Kernbotschaften authentisch platzieren zu können. TONNO DIGITALE hat über diese Aufgabe mit Hans-Marcus Röver gesprochen, der als Kommunikationsberater und Coach Experte für das Thema „Rollenverständnis“ vor der Kamera ist.

Herr Röver, zur Definition des Begriffes „Rollenverständnis“: Was verbirgt sich hinter diesem Begriff für Menschen, die sich auf einen Auftritt vor der Kamera vorbereiten?
Hans-Marcus Röver: Es geht dabei um die Notwendigkeit, sich die eigene Rolle für sein Unternehmen zu verdeutlichen und sich über die Erwartungen der Zuschauer im Vorfeld eines öffentlichen Auftritts klar zu werden: Wo ist die Abgrenzung meiner öffentlichen Rolle und meiner ganz privaten Person? Was zeige ich – und was zeige ich nicht?
Dabei spielt auch eine entscheidende Rolle, was mir mit dem Auftrittsformat und -thema schon vorgegeben ist. Denn nicht jedes Format ist für jeden Manager passend und ermöglicht ihm ein geeignetes Setting, in dem er die beste Wirkung für sein Unternehmen entfalten kann. Das wird ihm für das jeweilige Format nur dann gelingen, wenn er ein klares Verständnis seiner Selbst und seiner Wirkung auf Andere hat.

Das Thema Rollenverständnis ist keines, das einem vor einem Interview typischerweise als erstes in den Sinn kommt. Wird die Reflexion der eigenen Rolle häufig unterschätzt oder sogar ausgelassen
Röver: Häufig fehlt den Verantwortlichen diesbezüglich ein tieferes Verständnis und eine ausreichend umfassende Reflexion. Viele sind zwar mit einem Köcher voller wohlfeiler Botschaften gut ausgerüstet, preschen damit aber los, ohne ein entwickeltes Bild ihrer Außenwirkung zu haben. Das reicht nicht, beziehungsweise ist die falsche Reihenfolge: Wir arbeiten in unseren TV-Seminaren als erstes an Haltung und Bewusstsein der eigenen Wirkung, sowie der Entwicklung eines tieferen Verständnisses für den schmalen Grat zwischen Rolle und Person. Erst dann, wenn diese grundlegenden Aspekte verständlich geworden sind, widmen wir uns der Aufgabe, Kernbotschaften zu entwickeln.

Was droht denjenigen, die sich im Vorfeld eines Auftrittes nicht ausreichend vorbereiten und welche Konsequenzen hat das gegebenenfalls für das Unternehmen?
Röver: Ohne dieses Verständnis laufen Unternehmensrepräsentanten Gefahr, einen irreparablen Schaden für die eigene Reputation zu verursachen. Es hat viele Beispiele in den letzten Jahren gegeben, in denen sich namhafte Vorstände und in der direkten Folge auch deren Unternehmen durch eine deplatzierte Äußerung, die partout nicht zum Anlass und der Erwartung an die Rolle passten, nachhaltig demontiert haben. So etwas zu reparieren, dauert eventuell Jahre. Unternehmen werden während TV-Auftritten in der öffentlichen Wahrnehmung eins zu eins mit dem Auftritt ihres Repräsentanten identifiziert. Das kann im schlimmsten Fall bittere Folgen haben.

Und andersherum gefragt: Was sind die positiven Auswirkungen davon, sich im Vorfeld angemessen mit dem Thema Rollenverständnis beschäftigt zu haben?
Röver: Der Manager, der weiß, welche Rolle er wann und in welchem Kontext einnimmt, gewinnt an Selbstbewusstsein und an Souveränität, die aus einer Klarheit darüber entsteht, was „geht“ oder nicht. In manchen Fällen kann sogar ein bewusstes Spielen mit der Rollenerwartung und bewusstes Übertreten an Stellen möglich werden, an denen es passt.
Im nächsten Schritt wird es dann auch möglich, die Frage zu beantworten, inwiefern er es schaffen kann, er selbst zu sein und nicht zu starr und sklavisch an der Rollenerwartung zu kleben. Denn wenn die Rolle klar definiert ist, dürfen sich auch die Persönlichkeit und das Private freier zeigen.

Sprechen wir bei den notwendigen Schritten von einer Art Selbstbefragung und „In-sich-Gehen“ oder inwiefern braucht man professionelle Unterstützung für ein effektives Angehen des Themas?
Röver: Beides ist notwendig und kann nur Hand in Hand funktionieren, deshalb entwickeln wir in unserem TV-Seminar zu genau diesen beiden Aspekten die notwendige Balance. Die professionelle Unterstützung schafft oft überhaupt erst die Wahrnehmung und das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer tieferen Reflexion.

Wie genau läuft eine solche professionelle und effektive Vorbereitung ab?
Röver: Entscheidend ist die Praxiserfahrung – sich diese allein anzueignen, ist effektiv nicht möglich. Wir üben wiederholt und sehr nah an der realen Interview- oder Präsentationssituation den Außenauftritt und arbeiten über verschiedene Feedbackschleifen an einer zunehmenden Glaubwürdigkeit und einem wachsenden Selbstverständnis unserer Kunden. Dabei geht es nicht um geschliffen perfekte Rhetorik oder die Entwicklung einstudierter Botschaften, sondern um die lebendige authentische Form des Auftritts in optimaler Abstimmung zur Rollenerwartung.

Aus einer Vielzahl von praktischen Übungen und kleinen präzisen Lerneinheiten mit klaren Lernzielen, die das notwendige Hintergrundwissen vermitteln, entwickeln wir eine ganz persönliche Vorbereitungsroutine. Diese Routine hilft damit jedem Teilnehmer langfristig, in Zukunft bei jedem öffentlichen Auftritt innerhalb von wenigen Minuten wieder "fit" für die Kamera zu sein.

Worauf schlägt sich das entwickelte Rollenverständnis nieder und woran wird das jeweils konkret deutlich?
Röver: Hier gibt es viele Faktoren, die entscheidend sind – und sie wirken am Ende in der Summe zusammen. Die Frage ist letztendlich nur individuell zu beantworten, da jeder Mensch seine Wirkung auf ganz unterschiedliche Art und Weise entfaltet. Der Mensch muss in allen Aspekten durchscheinen, es muss natürlich und authentisch wirken – nicht einstudiert oder stereotyp. Ziel muss in jedem Fall sein: Ich bleibe ich selbst, bin mir aber den Erwartungen an meine Rolle bewusst und kann mich darin frei, klar und selbstbewusst bewegen.

Nehmen Zuschauer von einer klar definierten Rolle auch bei einem „glatt laufenden“ Kameraauftritt etwas wahr oder kommt diese Vorbereitung eigentlich erst in Krisensituationen zum Tragen?
Röver: Ein gut entwickeltes Rollenverständnis wird in jedem Fall sichtbar und ist auch ohne krisenhafte Situationen wichtig. Denn Zuschauer haben ein feines Gespür für Angelerntes, Kosmetisches und oberflächlich Verändertes. Eine wirkliche Verbesserung des individuellen Auftritts erfordert deshalb Verankerung in der Persönlichkeit und nicht nur oberflächliche Kosmetik an der Rolle.

Lesen Sie hier den ersten Teil der Serie: „Führungskräfte im Fernsehen – Warum eigentlich nicht?"

Hans-Marcus Röver Coaching Plümer Communications Quelle: Hans-Marcus RöverKommunikationsberater Hans-Marcus Röver

Über Hans-Marcus Röver
Der ausgebildete Trainer und Coach Hans-Marcus Röver (Jg. 1967) berät seit über 20 Jahren als Kommunikationsberater Führungskräfte und namhafte Unternehmen aus den unterschiedlichen Branchen. Er ist Netzwerkpartner von plümer)communications und entwickelt Trainings- und Workshoplösungen im Kontext umfassender Veränderungsprojekte auf Management- und Vorstandsebene. Im Rahmen der TV-Seminare legt Röver als Wirksamkeits- und Persönlichkeitscoach sein Augenmerk auf eine detaillierte Wirkungsanalyse jedes Teilnehmers und beantwortet die Kernfrage: „Wie wirke ich eigentlich auf andere?“

Autor: Julian Christ

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