KI im B2B-Marketing

23.05.2019
KI AI B2B-Marketing Tina Nord lernen wie maschinen
Quelle: unsplash.com/Franki Chamaki
Künstliche Intelligenz kann Unternehmen dabei unterstützen, ihre Datenbestände optimal zu nutzen.

KI im B2B-Marketing: „Mobile first wird zu KI first“

[Lesezeit: 3-5 Minuten] KI ist auch im B2B-Marketing kein Neuland mehr. Inzwischen können so viele Vorgänge durch künstliche Intelligenz gesteuert und ausgeführt werden, dass es den Eindruck macht, die menschliche, kreative Seite komme zu kurz. TONNO DIGITALE sprach mit der Marketing- und KI-Expertin Tina Nord, die zusammen mit Kathleen Jaedtke den Blog „Lernen wie Maschinen“ schreibt und darauf ihre Erfahrungen mit KI im Marketing teilt. Sie erklärt, wie KI im B2B-Marketing helfen kann und ob Zweifel an der Nutzung von KI berechtigt sind.

Tina, welche Frage stellen dir Marketingleiter zum Thema KI am Häufigsten?
Tina Nord: Marketingleiter möchten meistens erst einmal verstehen, was KI eigentlich ist und in welchem Entwicklungsstadium sie sich gerade befindet. Insbesondere, wenn es um die Kombination von KI und ihrem speziellen Fachbereich geht, also zum Beispiel KI und Social Media oder KI und Content usw. Natürlich interessieren sich auch viele Führungskräfte für die Automatisierung von sich wiederholenden Aufgaben. Eine klassische Herausforderung ist die Anwendung von KI. Viele Unternehmen sind an dem Thema interessiert, wissen jedoch nicht, wie sie es angehen sollen. Es fehlt an klaren Leitfäden und praxisorientierten Anleitungen.

Welches Potenzial hat KI im B2B-Marketing?
Nord: Grundsätzlich macht maschinelles Lernen immer dann Sinn, wenn große Datenmengen involviert sind. Im B2B-Marketing können Daten zum Beispiel die Kontaktinformationen von Leads sein oder das Nutzerverhalten auf Produktseiten. Ein sehr bekannter Anwendungsbereich von KI ist in diesem Zusammenhang das Predictive Lead Scoring, also die Kalkulation, welche Leads höchstwahrscheinlich zum Kunden werden. Darauf kann ein Marketer dann seine Nurturing-Taktiken abstimmen.

Tools wie Salesforce oder Hubspot bieten diesen Anwendungsfall für maschinelles Lernen bereits an. Selbstverständlich ist das Potenzial für KI im B2B-Marketing wesentlich umfassender. Das fängt bei der automatisierten Texterstellung an, geht über komplexe Mitbewerber-Audits bis hin zur denkbaren Automatisierung von Akquise-Calls und Mailings.

Tina Nord lernen wie maschinen Blog KI B2B-Marketing Quelle: lernen-wie-maschinen.aiAuf ihrem Blog präsentieren Tina Nord und Kathleen Jaedtke Beiträge rund um KI.

Wie nützt KI B2B-Unternehmen bei der Content-Strategie?
Nord: Ein Beispiel: Auf globaler Ebene kann im Content Marketing die Konsistenz zur Herausforderung werden. Wie stelle ich sicher, dass alle meine Mitarbeiter rund um den Globus Bilder und Fotos verwenden, die meiner (visuellen) Marke und Tonalität entsprechen? Stockfoto-Anbieter wie EyeEm bieten hier KI-getriebene Lösungen an.

Ein Algorithmus erlernt die Bildsprache einer Marke anhand von vorgegebenen (Vor-)Bildern. Er identifiziert die sich wiederholende Muster in dem Datensatz und sucht dann aus der Fotodatenbank ausschließlich Visuals raus, die eben diesen Eigenschaften entsprechen. Dies ist ein sehr schönes Beispiel, wie maschinelles Lernen funktioniert. Mit Hilfe dieser intelligenten Systeme können internationale Unternehmen sicherstellen, dass die Markensprache weltweit einheitlich ist.

Durch Big Data und KI sowie automatisiertes Advertising scheint es immer weniger Kreativität im Marketing zu geben. Wie schätzt du das ein?
Nord: Diese Einschätzung teile ich nicht. Zumindest konnte ich bisher keine Abnahme von Kreativität beobachten. Inhalte, die für Werbung verwendet werden, werden nach wie vor vom Menschen in unterschiedlichem Kontext erstellt. Die Vielfalt bleibt dadurch meiner Meinung nach gewahrt. Es gibt erste Versuche, Bilder und auch Testimonials künstlich zu erschaffen. Dies kann im ersten Entwicklungsschritt durchaus zu einer gewissen Einheitlichkeit führen. Ich bin mir jedoch sicher, dass die Algorithmen und Modelle langfristig angepasst werden und dieser Schwachpunkt dann keine Rolle mehr spielen wird.

Quelle: youtube.com/Blindfeed
Tina Nord spricht auch in Podcasts über ihre Expertise in KI, hier bei Blindfeed.

Blick in die Zukunft: Was wird deiner Einschätzung nach in den nächsten fünf Jahren in Sachen KI auf Marketeers zukommen?
Nord: Angewandtes maschinelles Lernen wird zum Alltag vieler Marketeers gehören. Die aktuellen Hürden bei der Implementierung werden größtenteils abgebaut worden sein. Auch die Schwachstellen und Limitierungen von zum Beispiel Sprachassistenten werden abnehmen und die Iterationen uns jedes Jahr aufs Neue erstaunen. Dadurch steigt die Verbreitung der Technologie auf Konsumentenseite, was mehr und neue Potenziale für Marketingmaßnahmen mit sich bringt. Auch kleinere Unternehmen werden dann damit beginnen, von einer “mobile first”-Denkweise zu einer “AI first”-Denkweise zu wechseln.

Drei Tipps, die B2B-Marketeers nach Meinung von Tina Nord im Zusammenhang mit KI beachten sollten:

#1 Weiterbildung: Beschäftige dich mit maschinellem Lernen und seinen Stärken und Limitierungen.

#2 Automatisierung: Nutze dein Expertenwissen und kombiniere es mit Wissen über KI, um neue und sinnvolle Anwendungsbereiche in deinem Bereich zu identifizieren und Mehrwert zu schaffen.

#3 Lass dich nicht vom Hype mitreißen: Durchdenke und teste neue Anwendungsbereiche oder KI-getriebene Tools vor dem Ausrollen. Nicht immer ist KI die beste oder einfachste Lösung.

Management Summary:
KI wird sich mehr und mehr in den beruflichen Alltag von Marketingverantwortlichen integrieren. Auch kleinere Unternehmen werden in Zukunft vermehrt Technologien anwenden, die beispielsweise bei der Bewältigung der Datenmengen helfen. Bei all der Automatisierung bleibt die Kreativität im Marketing trotzdem erhalten: Um eine individuelle, ausdruckstarke Marketingstrategie zu entwickeln ist immer noch menschliches Denken gefragt.

Tina Nord lernen wie maschinen Blog KI B2B-Marketing

Über Tina Nord:
Tina Nord ist Autorin, Marketing- und KI-Expertin aus Berlin. Seit über zehn Jahren unterstützt sie E-Commerce-Unternehmen bei der Entwicklung digitaler Strategien. Auf ihrem Blog lernen-wie-maschinen.ai informiert und berichtet sie über künstliche Intelligenz. Aktuell leitet sie das Growth Team beim Tech-Unternehmen EyeEm und repräsentiert das internationale Netzwerk Women in AI als Ambassador in Berlin.

Das Interview führte Friederike Sajdak

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