Messebau

27.03.2019
So bereiten Sie Ihr erstes Messeprojekt vor
Quelle: Studio Loske

So bereiten Sie Ihr erstes Messeprojekt vor

[Lesezeit: 6-8 Minuten] Messen sind auch im digitalen Zeitalter für die meisten B2B-Unternehmen die wichtigsten Termine im Jahr - und meist auch das größte Investment in den Marketingbudgets. Auch wenn Face-to-Face-Kommunikation durch moderne Technologien über räumliche Distanzen hinweg problemlos möglich ist, verzichten die wenigsten Unternehmen auf die Möglichkeiten des persönlichen Gesprächs und einer Live-Präsentation ihrer Produkte. Ein angemessener Messestand ist dabei das A und O. Doch wie konzipiert ein Unternehmen am besten einen Messeauftritt? Wie sieht die Zusammenarbeit mit einem Messestandbauer aus und welche Komponenten machen einen guten Messestand aus? TONNO DIGTALE sprach mit Detlev Siebold, Geschäftsführer des Hamburger Unternehmens siebold/hamburg Messebau GmbH.

Wie verläuft das erste Briefing?
Da im ersten Briefing die wichtigsten Informationen zwischen Kunden und Dienstleister ausgetauscht werden müssen, nennt Siebold eine Reihe von Aspekten, die besprochen werden sollten: „Zuerst einmal ist wichtig zu wissen, ob der Kunde einen Kommunikations- oder einen Beratungsstand wünscht. Für einen Kommunikationsstand haben wir dann die Möglichkeit, abgetrennte Räume zu schaffen, die Privatsphäre während Gesprächsterminen ermöglichen. Außerdem müssen wir wissen, wie viele Menschen dort als Messepersonal arbeiten? Ist eine Fernwirkung gewünscht oder zielt der Stand auf Laufkundschaft ab? Werden Termine vor Ort stattfinden?“.

Sind diese Fragen beantwortet, wird der Messestand in Zonen unterteilt, die unterschiedliche Aufgaben haben. Eine Zone ermöglicht den Erstkontakt und das Kennenlernen, eine weitere die ausführlichere Beratung und so weiter. Für den architektonischen Aufbau nennt Siebold mehrere Möglichkeiten. Marketeers können zwischen einer Kubatur wählen, die in sich gestaltet ist und eine Aussage über das Unternehmen transportiert. Ein Beispiel ist die Nachahmung des Firmenlogos. Eine andere Möglichkeit ist eine aufmerksamkeitserregende Architektur, die als Blickfänger fungiert und in der das Design und nicht die Aussage im Mittelpunkt steht.

Auffällige Hochbauten wirken in vollen Hallen als Blickfänger. Quelle: Studio Loske Auffällige Hochbauten wirken in vollen Hallen als Blickfänger.

Grundsätzliche Komponenten eines Messestandes
Welche Bestandteile sind für einen Messestand obligatorisch? „Ein Muss ist für jeden Stand ein kleiner Lagerbereich mit Küche“, lautet die Antwort von Siebold. „Ein Minimum an Gastfreundschaft bietet jeder Aussteller an, von der Tasse Kaffee bis zu kleinen Mahlzeiten. Dieser praktische, organisatorische Raum für die Mitarbeiter ist also sehr wichtig.“ Bei der Gestaltung der tatsächlichen Ausstellungsfläche ist ein Willkommenstresen oder Infopoint üblich, an dem die Besucher ankommen und begrüßt werden können. „Stellen Sie sich vor, Ihre Besucher betreten jedes Mal in ein neues Haus“, rät Siebold Marketeers. Wenn die Besucher in diesen ersten Augenblicken nicht an einer Anlaufstelle vom Personal abgeholt werden können, werden wertvolle Momente verschenkt.

Siebold betont, dass auch der schönste Messestand keine Wirkung erzielt, wenn das Personal nicht freundlich und offen arbeitet. Ein Gefühl des Willkommens muss vor allem von den Mitarbeitern ausgehen. Siebold sieht es als die Aufgabe eines guten Messestandbauers, dieses Gefühl durch die geschaffene Umgebung zu erzeugen. Fühlen sich die Mitarbeiter wohl in ihrem Arbeitsumfeld, transportieren sie dieses Gefühl nach Außen. Merke: Konzipieren Sie Ihren Stand als angenehmes Arbeitsumfeld für Ihre Mitarbeiter, dann bauen Sie automatisch ein Umfeld, das auch ein angenehmer Ort für Ihre Besucher ist.

Die Beleuchtung: Das A und O
Eine gute Beleuchtung ist laut Siebold das A und O eines ansprechenden Messestandes. Idealerweise simuliert diese den Rhythmus des Tageslichts. Mit viel Lumenkraft wird sichergestellt, dass Mitarbeiter und Besucher, die oft den ganzen Tag in der Halle verbringen, trotzdem eine möglichste natürliche Beleuchtung erleben und die Exponate gleichzeitig ideal ausgeleuchtet werden.

Was sind die No-gos eines Messestandes?
Auf keinen Fall sollte eine abweisende Atmosphäre erzeugt werden. Abgesehen von desinteressiertem, unprofessionellem Personal, darf der Stand auf keinen Fall einen Mischmasch aus verschiedenen Stilen abbilden, so Siebold.

„Der Stand muss eine klare Aussage und einen Fokus auf einen Aspekt haben. Außerdem soll der Stil zum Produkt passen. Ein Aussteller medizinischer Instrumente muss einen klaren, sauberen Eindruck erwecken und ein Hersteller von Schiffscontainern muss eben auch auf seinem Stand die Größe seiner Produkte widerspiegeln“.

Messestände sollten in verschiedene Zonen eingeteilt sein, die verschiedene Zwecke erfüllen. Quelle: Studio Loske Messestände sollten in verschiedene Zonen eingeteilt sein, die verschiedene Zwecke erfüllen.

Der zeitliche Rahmen
Wann sollen Marketeers damit anfangen, ihren Messestand mit dem Messebauer zusammen zu entwickeln? Siebold nennt sechs Monate als bequeme Zeitspanne, in der der Stand entwickelt und gebaut werden kann. Allerdings sind im Notfall auch kurzfristigere Projekte möglich. „Bis zu sechs Wochen vor der Messe ist noch alles bei der Konzeption möglich“, meint er. „Natürlich ist das für den Kunden intern stressig und setzt voraus, dass man sich als Kunde und Dienstleister zügig auf ein Konzept einigt“.

Welche Trends gibt es aktuell im Messestandbau?
„Im Moment geht der Trend klar Richtung hochwertige und nachhaltige Materialien“, erzählt Siebold. „Der ökologische Aspekt wird immer wichtiger. Wenn der Kunde es zulässt, verwenden wir nur Materialien, die man jahrelang wiederverwenden kann und die lange haltbar sind“. Ein Trend, an dem kein Unternehmen vorbeikommt, ist die Verwendung von LED-Wänden, die den üblichen Monitor ersetzen. Die Verwendung ist sehr vielfältig und entwickelt sich laut Siebold zum absoluten Muss.

Für den Messestand der Zukunft sieht Siebold die Digitalisierung als treibenden Faktor. Die Face-to-face-Kommunikation wird weiterhin stattfinden, die allerdings zunehmend durch digitale Tools unterstützt wird. „Es gibt inzwischen so viele Möglichkeiten, Face-to-Face, aber räumlich getrennt zu kommunizieren, und trotzdem gehen die Unternehmen weiterhin auf Messen und lernen die Branche per Handschlag kennen.“ Der Standbauer ist sich sicher: Die Art der Präsentation auf Messen ändert sich, das Konzept an sich wird aber weiterhin bestehen bleiben.

Bedeutet das für Siebold und sein Team sich selbst auf die Digitalisierung spezialisieren zu müssen? Siebold berichtet, dass sein Unternehmen in den letzten Jahren definitiv enger mit Digitalisierungsunternehmen zusammenarbeitet, so dass die unterschiedlichen Dienstleistungen zusammenwachsen.

Das Firmenlogo kann als Bauelement verwendet werden. Quelle: Studio Loske Das Firmenlogo kann als Bauelement verwendet werden.

Management Summary
Der perfekte Messestand für Ihr Unternehmen ist architektonisch in sich stimmig, die Gestaltung orientiert sich an ihrem Produkt und den kommunikativen Erfordernissen des Auftritts. Die Aussage Ihres Unternehmens sollte auch im Aufbau des Standes sichtbar werden.

Nachhaltige Materialien, ein klar erkennbarer Stil und die Nutzung von digitalen Tools machen einen zeitgemäßen und funktionalen Stand aus, der auch längerfristig nutzbar ist und vielfältige Kommunikationsmöglichkeiten bietet.

Um für den Besucher eine angenehme Atmosphäre zu schaffen sind nicht nur klare Zonen und Orte für Gespräche am Stand nötig, sondern auch gut geschultes, professionelles Personal, das auf dem Stand für eine einladende Stimmung sorgt.

Delev Siebold, Geschäftsführer der siebold/hamburg Messebau GmbH Quelle: Andreas ThalDelev Siebold, Geschäftsführer der siebold/hamburg Messebau GmbH

Über Detlev Siebold:
Detlev Siebold, geboren in Hamburg, ist selbstständiger Messebauer seit 1992 und erfolgreicher Unternehmer seit 1999. 2007 gründete er die siebold/hamburg Messebau GmbH und ist dort als Geschäftsführer für 39 Mitarbeiter verantwortlich.

Lesen Sie hier „Sieben Tipps für einen erfolgreichen Messeauftritt“.

Autorin: Friederike Sajdak

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