Serie: Souverän vor Kamera und Publikum (Teil #3)

23.05.2019
Fernsehauftritt Talkshow Coaching Geschäftsführer Rhetorik
Quelle: unsplash.com/Miguel Henriques
Paradox und nicht einfach: Sie sprechen zwar mit Ihrem Gegenüber, die Botschaft aber richten Sie ans Publikum.

Talkshows: Als Sieger vom Parkett gehen

[Lesezeit: 4-6 Minuten] Wenn Sie als Vertreter Ihres Unternehmens an einer Diskussionssendung teilnehmen, finden Sie sich fast immer in einer Gesprächssituation mit dem Gastgeber oder anderen Gästen wieder. Das Tückische in diesem Fall ist: Sie dürfen sich nicht verhalten, als wäre die Situation ein normales Gespräch.

Das Gefühl einer normalen Gesprächsrunde birgt eine trügerische Sicherheit: Dieses Setting verleitet nämlich dazu, in erster Linie Moderatoren oder andere Teilnehmer von den eigenen Positionen überzeugen zu wollen – eben genau so, wie Sie es aus anderen Gesprächen gewohnt sind. Entscheidend bei einem TV-Auftritt ist allerdings vielmehr, das Publikum zu überzeugen – und dafür bedarf es anderer Mittel als in einem Gespräch „unter Experten“ zu argumentieren.

Dazu gehört zum Beispiel, komplexe Zusammenhänge möglichst simpel und anhand bildhafter Vergleiche darzustellen, und zwar einfacher, als es dem Experten gegenüber notwendig wäre. Bemühen Sie sich um kurze, klare Sätze und gebrauchen Sie keine Anglizismen oder Fachjargon. Genauso sollten Sie Modeworte oder abgegriffene Redewendungen wie „…am Ende des Tages“ oder „keine Raketenwissenschaft“ vermeiden. Solche Formulierungen wirken weder kompetent noch authentisch. Derjenige hingegen, dessen Redebeiträge vom Zuschauer nachvollzogen und auch als sympathisch wahrgenommen werden, hat in der Publikumswirkung sofort einen enormen Vorteil – und bleibt wesentlich besser im Gedächtnis.

Nicht jedes Spiel mitspielen
Talkshows tendieren heutzutage dazu, immer reißerischer zu werden. Viele Gäste versuchen, zu provozieren und aufzufallen und auch Moderatoren sind dazu angehalten, kontroverse Situationen zu erschaffen. Für Unternehmensvertreter sind derartige Formate ein gefährliches Terrain, sollen sie doch nicht für Entertainment, sondern für Werte wie Kompetenz, Zuverlässigkeit und Vertrauen stehen. Es ist deshalb ratsam, sich nicht auf eine persönliche Ebene oder gar auf einen feindschaftlichen Umgang einzulassen: Man wird immer wieder versuchen, moralische Argumente zu bemühen, Ihnen Kompetenz abzusprechen, niedere Motive zu unterstellen oder sie anderweitig persönlich anzugreifen. Solche Manöver sollten Sie enttarnen und ihnen energisch, aber unbedingt sachlich entgegentreten.

Eine Frage des Timings
Für eine positiven Eindruck bei der Zuschauerschaft braucht es außerdem ein gutes Timing der eigenen Redebeiträge. Wer nur darauf wartet, dass der Moderator ihm das Wort erteilt, läuft in den heute immer hitzigeren Diskussionen Gefahr, in der Wahrnehmung des Zuschauers unterzugehen. Das können Sie vermeiden, indem Sie sich auf das Thema Ihres Auftrittes umfassend vorbereiten, um genau darüber im Bilde zu sein, welche Themen von welchen Personen mit welchen jeweiligen Positionen angesprochen werden. So werden Sie es deutlich leichter haben, schlagfertig auf jede Gesprächssituation einzugehen. Vor allem sollten Sie aber nicht zögern, beherzt das Wort zu ergreifen und die Diskussion an sich zu ziehen, wenn Sie sich dazu berufen fühlen.

Die Herausforderungen, publikumswirksam zu sprechen, eine kompetente Haltung zu bewahren und die richtigen Momente für eigene Redebeiträge zu finden, sind keine leichten. Und sie sind vor allem keine, die man sich am Schreibtisch aneignen kann, denn es geht hierbei ausschließlich um Fähigkeiten einer gelungenen Interaktion. Kümmern Sie sich deshalb im Vorfeld um ein Setting, in dem Sie professionell auf diese Herausforderungen vorbereitet werden und Ihre Talkshow-Skills im geschützten Rahmen einüben und verbessern können.

Erst beim Auftritt zu lernen, kann Ihnen und Ihrem Unternehmen teuer zu stehen kommen.

Lesen Sie hier: Sieben Rhetorik-Tipps für TV-Auftritte, mit denen Sie Ihre Publikumswirkung verbessern

Management Summary
Die Gesprächsführung während einer Fernsehdiskussion unterscheidet sich wesentlich von einer üblichen Gesprächssituation. Vertreter eines Unternehmens müssen daran denken, dass sie in diesen Situationen nicht den Moderator, sondern das Publikum überzeugen müssen. Der Sprachduktus muss angepasst werden und der Auftritt soll authentisch und sympathisch wirken, während Ihre Mitdiskutanten ebenfalls um Wirkungstreffer bemüht sind.

Um diese Herausforderungen zu meistern und einen überzeugenden Auftritt hinzulegen, benötigen Unternehmenssprecher professionelles Coaching und vor allem Gelegenheit, ihren Auftritt zu üben.

Autor: Julian Christ

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