VIRTUAL REALITY TOOLS

28.11.2016
Virtuelle Messen: Dialog in Echtzeit in einer als wahrhaftig empfundenen Umgebung
Screenshot Youtube/Microsoft Research
Dialog in Echtzeit in einer als wahrhaftig empfundenen Umgebung – selbst, wenn die Teilnehmer nicht zur Messe angereist sind

Virtuelle Messen: Wie lange noch, bis der klassische Messeauftritt entbehrlich wird?

Treffen sich Anbieter von Investitionsgütern bald zum Messeplausch mit ihren Kunden in künstlichen Umgebungen? B2B-Messen sind für Vertrieb und Kommunikation immens aufwendig, aber heute noch praktisch unersetzlich. Grund genug, um über virtuelle Pendants nachzudenken – und nachzuhaken, wie der Stand bei den Entwicklern virtueller Realitäten ist. Wie echt fühlen sich entsprechende Simulationen („Virtual Reality“ oder „VR“) heute schon an?

Dummy eines virtuellen Messestands mit „eingebeamten“ echten Menschen des Mannheimer Lösungsanbieters ubivent, Spezialist für Online-Events, virtuelle Konferenzen, Webmessen und Live-StreamingubiventDummy eines virtuellen Messestands mit „eingebeamten“ echten Menschen des Mannheimer Lösungsanbieters ubivent, Spezialist für Online-Events, virtuelle Konferenzen, Webmessen und Live-Streaming

„Als seien sie im selben Raum“

Die entscheidende Nachricht zuerst: Aktuell sind virtuelle Messen vor allem visuell noch nicht ausgereift. Zudem befinden sich Bots zur Beratung oder als Messehostess noch nicht auf dem Niveau einer Künstlichen Intelligenz, die diesen Namen auch verdient. Die Zukunftsaussichten sind indes faszinierend:

Hashplay-Gründer Jan Schlüter: „Echte Menschen werden Teil der virtuellen Realität“Jan Schlüter: „Echte Menschen werden Teil der virtuellen Realität“

„Anders als bei Second Life (Anm. d. Red.: in den Nuller-Jahren gehypte und wieder vergessene Online-Drei-D-Welt) nutzen smarte virtuelle Messen keine Avatare. Stattdessen werden echte Menschen Teil der virtuellen Realität“, betont Jan Schlüter. Der Gründer der Virtual-Reality-Creator-Plattform Hashplay in San Francisco weiß, wovon er spricht. Die kalifornischen Tool-Anbieter verhalfen unter anderem der Werner Wirth Gruppe zu einer VR-Messelösung und bieten eine VR-Smartphone-App an, mit der User unter anderem Simulationen per Cardboard (Pappbrillen oder Plastikgehäuse, in die das Smartphone als VR-Medium eingelegt wird) erleben können.

Brillen wie Oculus Rift, HTC Vive oder die primitiveren Cardboards werden in Zukunft dafür sorgen, „dass sich Menschen auf virtuellen Messeständen unterhalten können – als seien sie im selben Raum“, erläutert Dr. Ulrich Clemens, Head of Corporate Communications bei dem Virtual-, Augmented- und Drei-D-Lösungsanbieter Scanblue in Auetal.

Vom Konfi aus über die Messe flanieren

Wenn echte Menschen technisch in Echtzeit im künstlichen Raum miteinander sprechen sollen, in einer als angenehm empfundenen Umgebung, muss die Simulation indes stimmen: Je besser die fotorealistische Darstellung ist, desto weniger nehmen Messeteilnehmer die physische Trennung wahr, wie es das „Holoportation“-Video von Microsoft Research veranschaulicht.

Mehr als ein Hype: VR für schwer Erklärbares

Youtube/Microsoft Research
„Holoportation“: Die räumliche Trennung scheinbar aufheben

Welche Messeprozesse und Technologien kommen werden

Gerade bei mobilen Anwendungen ist es trotz fotorealistischer Darstellung essenziell, dass mithilfe einer Komprimierung nur kleinste Datenvolumina entstehen. Anbieter Scanblue, der sich unter anderem auf das Erzeugen von echtzeit-interaktiven, fotorealistischen Drei-D-Objekten fokussiert, sorgt mit Hilfe von Algorithmen dafür, „dass nur kleinste Datenmengen zu übertragen sind“, betont Clemens.

„Visitenkartentausch bald per ,Handshake‘?“

Ein weiteres Beispiel: Bei der Interaktion der virtuellen Messebesucher und Aussteller untereinander „findet über eine spezielle Funktion eine Art ,Handshake‘ statt. Auf diese Weise tauschen die Besucher ihre Visitenkarten virtuell aus“, prophezeit Clemens. Allerdings besteht noch keine Einigkeit darüber, wie die Interaktion unter den Besuchern en détail künftig ablaufen wird.

Die Bedeutung von Augmented-Reality-Messen wird zunehmen

Dr. Ulrich Clemens, Corporate Communications Scanblue: „Nur kleinste Datenmengen übertragen“Dr. Ulrich Clemens: „Nur kleinste Datenmengen übertragen“

Die Holodecks virtueller Messestände werden sich mit wachsendem Zuspruch kontinuierlich verbessern und mit ihrem virtuellen Konstrukt auch die physisch begehbaren „Branchenbücher“ (Clemens über klassische Messen) verändern. Mit Hilfe der Augmented-Reality-Brillen („AR“) oder intelligenter Kontaktlinsen gelangen genau die Zusatzinformationen ins unmittelbare Sichtfeld des Messebesuchers, die der Aussteller kommuniziert wissen möchte.

So brauchen physische Messeteilnehmer, ausgestattet mit AR-Werkzeugen, auch keinen Besuchsplan mehr, sondern sehen einen optischen Wegweiser und Planer zum nächsten Termin ausgerollt. Eine AR-Brille blendet außerdem bezahlte Werbung oder die LinkedIn oder Xing-Profile der anderen Besucher ein. Ein Blick auf einen bestimmten Punkt entspricht einem Klick und damit einer Interaktion. Der Phantasie scheinen keine Grenzen gesetzt.

„Zur ,Mixed Reality‘ verschmelzen“

Egal ob VR- oder AR-Messe: Da sich beide Ansätze derselben Dialog-Tools wie Video-Chats, Live Videos und 360-Grad-Ansichten bedienen, „werden auch beide mit diesen Dialogmöglichkeiten in Zukunft zu einer sogenannten Mixed Reality verschmelzen“, ist Schlüter überzeugt.

Marketeers’ Summary

Virtuelle Messen befinden sich heute noch in einem frühen Entwicklungsstadium, an dem unterschiedliche Anbieter bereits intensiv feilen. Derzeit ist nicht absehbar, ob virtuelle Messen eines Tages tatsächlich klassische Messen ablösen werden. Die zwischenmenschliche Kommunikation mit all ihren Facetten bleibt bis auf Weiteres unersetzlich. Es ist aber wahrscheinlich, dass sich mit virtuellen Messen ein neues, zusätzliches Tool etablieren wird, das für die B2B-Technologie-Kommunikation wertvolle, neue Potenziale erschließen wird.

Wer sich als Innovationsführer versteht, ist gut beraten, sich schon heute mit virtuellen Messen und eigenen virtuellen Räumen zu befassen. Wer diesen Innovationsdruck indes nicht verspürt, kann hier getrost noch die nächsten zwei Jahre abwarten, bis sich einheitliche Standards und Module herausgebildet haben. Dies wird den Investitionsbedarf insgesamt überschaubarer machen.

Autorin: Kristina Schreiber

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