Serie: VR/AR (Teil #1)

24.01.2019
VR- und AR-Technologien in der B2B-Kommunikation: Wie anfangen?
Quelle: unsplash.com/Jeshoots
VR-Brillen: Die kommenden Modelle werden noch leistungsstärker und sind mobiler einsetzbar.

VR- und AR-Technologien in der B2B-Kommunikation: Wie anfangen?

[Lesezeit: 6-8- Minuten] Eines der großen Trendthemen für 2019 sind ohne Frage VR- und AR-Technologien im B2B-Marketing. Doch bevor Sie als B2B-Entscheider lospreschen, um noch kurz vor knapp eine VR-Präsentation für Ihren nächsten Messestand entwickeln zu lassen, empfiehlt es sich, genau abzuwägen, ob so eine Präsentationsform für Ihr Produkt überhaupt geeignet ist, welche Art von Präsentation Sie benötigen und welche Schritte Sie gehen müssen. In unserer neuen, dreiteiligen Serie „VR und AR in der B2B-Kommunikation“, mit der wir heute beginnen, stellen wir Ihnen Möglichkeiten der VR- und AR-Technologien sowie ausgewählte Dienstleister vor.

In diesem Teil erfahren Sie, wie Sie einen Dienstleister finden und wie Sie Ihr Projekt gemeinsam aufsetzen. Sie finden außerdem eine praktische Briefingliste mit Fragen, die Sie perfekt auf das erste Meeting mit Ihrem VR- und AR-Dienstleister vorbereiten.

Wie finde ich einen geeigneten Umsetzungspartner?
Abgesehen von der Google-Suche, Messen und Expos ist eine erste gute Anlaufstelle der Erste Deutsche Fachverband VR e.V. (EDFVR e.V.). Der Verband listet nicht nur Unternehmen als Mitglieder auf, sondern informiert über Events, Trends und Entwicklungen und vergibt Qualitätsauszeichnungen. Auch die Hamburger Initiative „Next Reality.Hamburg“ informiert über Veranstaltungen und Messen, betreibt einen Blog mit Neuigkeiten und Entwicklungen und sorgt für die Verknüpfung von Wirtschaft und Entwicklung neuer Technologien.

Unterschiedliche VR- und AR-Entwickler bieten unterschiedliche Herangehensweisen, Referenzen und Erfahrungen. Deswegen ist es ratsam, sich darüber zu informieren, ob die Anbieter zu Ihrer Idee für eine Präsentation passen bzw. geeignet erscheinen.

VR-Brillen ermöglichen interaktive Erlebnisse. Quelle: facebook.com/sinceideagamesVR-Brillen ermöglichen interaktive Erlebnisse.

Doch wie geht es nun ins erste Briefing?
Haben Sie die Entscheidung getroffen, stellt sich nun die Frage: Wie bereiten Sie sich auf das erste Briefing vor? Welche Informationen benötigt Ihr Dienstleister?

„Am Wichtigsten ist: Der Kunde muss seine persönlichen Ziele und seine Zielgruppe kennen“, meint Raphael Wittgruber, Programmierer beim Hamburger Softwareentwickler Since Idea Games. „Beim technischen Teil können wir helfen und eine realistische Timeline empfehlen, aber der Kunde muss wissen, was er erreichen möchte. Möchte er neue Kunden generieren? Möchte er eine Information oder eine Emotion vermitteln? Worauf sollte er hinarbeiten? Das alles muss der Kunde zu einem Briefing mitbringen.“ Auch Sebastian Seidel, CEO der Medienagentur twinC, rät Marketeers, sich zuallererst über die Zielgruppe Gedanken zu machen. Wenn klar ist, wer mit der geplanten Präsentation angesprochen werden und warum dies passieren soll, ist ein großer Schritt Richtung Konzeption schon getan.

Dabei ist durchaus gewünscht, die Gestaltung der Präsentation als Kooperation zwischen Kunden und Dienstleister zu sehen. Diese Zusammenarbeit reicht von Marketeers, die sich mit VR komplett auf Neuland bewegen, bis hin zu sehr gut informierten Marketingleitern, die eigene Ideen und Kenntnisse mitbringen.

Den Input des Kunden wahrzunehmen, abzuschätzen und gegebenenfalls in die richtige Richtung zu führen, sieht Raphael Wittgruber als seine Aufgabe als Experte: „Ich persönlich pflege eine relativ offene Kultur in der Kundenberatung, aber das birgt natürlich das Risiko, dass der Kunde sich in Ideen verrennt. Notfalls müssen wir den Kunden bremsen und auf die Tatsachen und realistischen Möglichkeiten hinweisen. Mit technikaffinen Kunden arbeiten wir sehr agil mit regelmäßigen Meetings. Der Weg zum gesteckten Ziel ist im Groben bekannt und man korrigiert jede Woche im Detail nach. Bei Kunden, denen das Thema VR noch fremd ist, ist unsere Zusammenarbeit etwas distanzierter, da sonst zu viel Chaos entsteht.“

Quelle: youtube.com/VR-academy
VR-Anwendungen dienen auch als Lerntools.

Seidel erzählt, dass sein Kundenstamm sehr vielfältig ist: „Unsere Kunden sind Marketeers aus der Telekommunikationsbranche, von Energieversorgern, von Beratungsunternehmen, aus dem Finanz- und Versicherungswesen, der Industrie und Instandhaltung, bis hin zu Bildungsträgern. Dabei sind es größtenteils mittelständische Unternehmen und Großkonzerne, die auf uns zukommen“, erzählt er. Auch Wittgruber nennt Großunternehmen als seinen profitabelsten Kundenstamm.

Beide Unternehmen arbeiten allerdings auch mit Start-ups zusammen, die meistens kleinere Projekte buchen, was durchaus eine Frage des Budgets ist. „Man sollte für ein VR-Projekt mindestens 4.000 Euro einplanen“, rät Wittgruber. „Bei einem kleineren Budget lohnt sich die Planung und Konzeption kaum“. Auch Seidels Kunden sind größtenteils Großkonzerne, wobei seine Agentur aktiv daran arbeitet, zukünftig mehr mittelständischen Unternehmen VR-Projekte bieten zu können. Bei den Preisen für das Equipment hat sich immerhin schon viel getan. „Was vor einer Weile noch 2.000 - 3.000 Euro gekostet hat, kostet heutzutage oft unter 1.000 Euro, inklusive Rechner“, erzählt Seidel.

Welche Möglichkeiten der VR-Visualisierung gibt es?
Die Möglichkeiten dieser Präsentationsform sind vielfältig. Von einem 360-Grad-Rundgang im nachgestellten Unternehmen oder in geplanten Bauprojekten bis hin zu interaktiven Demonstrationen eines Produktes oder Aktivitäten, die spielerisch das Produkt vorstellen, ist alles möglich. Somit können nicht nur Produkte wie Bausätze oder Baukonzepte dargestellt werden, sondern auch abstrakte Prozesse.

Dies erklärt auch das steigende Interesse aus allen Branchen, das beide befragten Experten erwähnen. Durch den interaktiven, emotionalen Zugang gelingt die Ansprache von B2B-Kunden sehr viel leichter und bleibt durch den Erlebnischarakter im Gedächtnis haften. Auf Messen beispielsweise sprechen sich solche Präsentationen schnell herum und ziehen auch interessierte Kunden an, die möglicherweise sonst nicht stehen geblieben wären.

Quelle: youtube.com/Since Idea Games
Räume durch VR zu erfahren hinterlässt bleibende Eindrücke.

Auch Lerntools wie die von twinC sind mit VR- und AR-Anwendungen möglich. Situationen aus dem Berufsalltag werden nachgestellt oder durch AR-Technologie erweitert. Verkaufsgespräche oder Konfliktsituationen können so mit Mitarbeitern geübt und analysiert werden. Auch Meetings mit Kunden lassen sich so bereichern und durch innovative Darstellungsformen ansprechend gestalten.

Der Umgang mit VR- und AR-Technologien
Um zu garantieren, dass die Präsentationen mit Technologien wie einer VR-Brille auch reibungslos funktionieren, bieten die Hersteller parallel zur Entwicklung Schulungen an. Integrierte Hilfetools, die es Marketingmitarbeitern und Messeteams ermöglichen, kleinere Probleme selbst zu lösen, sind ebenfalls vorhanden. Beide Experten erzählen aber auch, dass sie ihre Kunden durchaus auch auf Messen und Events begleiten und somit garantieren, dass die Präsentation gelingt.

„Einfach mal mutig sein“, rät Sebastian Seidel abschließend. „B2B-Maretingleiter, die bereit sind, sich auf neue Technologie einzulassen, gehen schon den Schritt in die richtige Richtung. Informieren Sie sich, probieren Sie Neues aus und lassen Sie auch Ihr Team sich ausprobieren“. Auch Wittgruber rät zur Offenheit und meint abschließend: „Verlassen Sie sich auf die Beratung und seien Sie bereit, Ratschläge der Dienstleister anzunehmen. Wenn Sie mit einem festen Ziel und fundiertem Wissen über Ihre Zielgruppe ankommen, können wir Ihnen mit allem Weiteren helfen“.

Sebastian Seidel von twinCQuelle: Sebastian SeidelSebastian Seidel von twinC

Über Sebastian Seidel:
Sebastian Seidel studierte Logistik und BWL und sammelte zehn Jahre Berufserfahrung in der Zentrale eines großen Logistikkonzerns. Er durchlief verschiedene Abteilungen von der strategischen Entwicklung über die Produktentwicklung/Innovation und der Erstellung von Mitarbeitertrainings. Später nutzte er die Gelegenheit, mit seinem Bruder Benjamin eine eigene Medienagentur zu gründen, mit Fokus auf 360-Grad VR-Trainings. Dabei legt er besonderen Wert auf die didaktischen Konzepte und die qualitative Umsetzung. Sebastian konzipiert nun die unterschiedlichsten Konzepte, bei denen der Kundennutzen im Vordergrund steht. Er kümmert sich um das Netzwerken und die administrativen Themen von twinC.

Raphael Wittgruber von Since Idea Games Quelle: Raphael WittgruberRaphael Wittgruber von Since Idea Games

Über Ralph Wittgruber:
Raphael Wittgruber hat vor 15 Jahren angefangen, in der StartUp-Szene als Programmierer zu arbeiten. Er studierte Games Development und gründete zusammen mit begeisterten Gleichgesinnten Since Idea Games. Sie konnten schon 2014 mit dem Oculus Devkit 2 vor dessen Verbreitung arbeiten und entwickelten verschiedene VR-Anwendungen. Durch die einzigartige Kombination ihrer Erfahrungen in den Bereichen VR, Game Design und Programmierung, zusammen mit den Möglichkeiten der VR Technologien, setzt die Firma einen Schwerpunkt in dem B2B Bereich, besonders in der Messenpräsentation und Visualisierung. In den letzten 3 Jahren hat das Team eine Vielzahl an Projekten in den Bereichen AR, VR und 360 umgesetzt und ist immer offen, neue Technologien sinnvoll und innovativ anzuwenden.

Lesen Sie hier unseren zweiten Teil unserer Serie: VR- und AR-Projekte richtig vermarkten und einbetten

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