Projektmanagement

21.02.2019
Wackelpudding in der B2B-Kommunikation
Quelle: Josh Clabrese/Unsplash
Die Krux erfolgreichen Projektmanagements: Passiert an einer Stelle ein Fehler, gerät alles aus dem Gleichgewicht

Wackelpudding in der B2B-Kommunikation

[Lesezeit: 4 Minuten] Kommunikationsprojekte werden immer vielschichtiger: Immer mehr Kanäle müssen mit einbezogen, getimt und aufeinander abgestimmt werden. Projekte basieren verändern sich stetig und häufig unvorhergesehen. Das bedeutet, dass eine Abweichung an einer Stelle ganz schnell eine ganze Kette an Problemen nach sich zieht. Für Kommunikationsverantwortliche stellt sich die Fragen, wie sie das Projektmanagement im eigenen Unternehmen darauf nachhaltig einstellen können.

Wir haben dazu mit Hauke Thun gesprochen, der mit seiner Firma „House of PM“ auf genau solche Herausforderungen spezialisiert ist und Dienstleistungen, Beratung und Qualifizierung in allen Bereichen professionellen Projektmanagements für Mittelständler und Großunternehmen anbietet.

Herr Thun, Sie sorgen mit Ihrem Unternehmen dafür, dass anspruchsvolle Projekte, vor allem welche, die zu scheitern drohen, erfolgreich umgesetzt und unter kritischen Rahmenbedingungen zum Abschluss gebracht werden. Ein anspruchsvolles Unterfangen – ist das das „einzige“ Ziel Ihrer Arbeit?
Hauke Thun: Nein, unser Anspruch geht klar darüber hinaus: Wir übernehmen auf Zeit wesentliche Aufgaben im Projektmanagement unserer Kunden und treten auch als Berater und Coach auf, um die erforderlichen Strukturen, Prozesse, Methodenbausteine und Kompetenzen für erfolgreiches Projektmanagement passend zum Unternehmen aufzubauen.

Dabei und darüber hinaus legen wir aber Wert darauf, mit unserem Einsatz einen nachhaltigen Beitrag dazu zu leisten, dass unsere Kunden zukünftig auch selbst erfolgreich Projekte abschließen können. Also eine Art Hilfe zur Selbsthilfe.

These: Erfolgreiches Projektmanagement fällt unter anderem dadurch auf, dass es nicht auffällt: nämlich dann, wenn Prozesse „reibungslos“ laufen und keine Probleme auftreten. Stimmen Sie dem zu – und wenn ja: Ist das ein Problem für den allgemein wahrgenommenen Stellenwert guten Projektmanagements?
Thun: Ja, erfolgreiches Projektmanagement sorgt dafür, dass das so eintritt. Ein Projekt läuft jedoch nie reibungslos nach Plan. Daher muss ein guter Projektmanager Dinge aufdecken und transparent machen – also Missstände beim Namen nennen. Nur so können diese Punkte adressiert werden und man hat die Möglichkeit, mit zielorientierten Maßnahmen das Projekt erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Dass der Verdienst des Projektmanagements am Projekterfolg häufig nicht wahrgenommen wird liegt aber auch daran, dass das Projektmarketing oft nur mangelhaft betrieben wird.

„Wackelpudding an der Wand“

Was sehen Sie für gängige Schwächen in punkto Projektmanagement bei den Kommunikationsabteilungen von B2B-Unternehmen?
Thun: Meine Erfahrung ist, dass hier kein gelebtes Projektmanagement anzutreffen ist. Die Anwendung ist häufig recht eindimensional. Schwerpunkt ist hier oft das Stakeholdermanagement, also alle Betroffenen und Beteiligten einzubinden, ihre Interessen zu kennen und Ihnen die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt geben: Dazu gehört vor allem der direkte Dialog, um den Projekterfolg zu sichern.

Was sind denn die zentralen Unterschiede zwischen Projektmanagement, wie Sie es praktizieren und dem, was Sie aus Kommunikationsabteilungen von Unternehmen kennen?
Thun: Projektmanagement schafft Transparenz und greifbare Fakten. Mein Eindruck ist, dass in Kommunikationsabteilungen viel durch das gesprochene Wort gemanagt wird. Für mich als Projektmanager ist das wie „Wackelpudding an die Wand nageln“. Da das gesprochene Wort eher vergänglich und zum späteren Zeitpunkt schwer nachvollziehbar ist, führt das häufig zu mangelnder Verbindlichkeit. Und gleichzeitig zu dem Rückschluss, dass Projektmanagement nicht hilft.

Die Kommunikationsabteilungen, auch die von B2B-Unternehmen, sind an vielen Stellen von kreativen und spontanen Prozessen geprägt. Was sagen Sie zu dem Vorurteil, dass „zu strukturiertes“ Projektmanagement diese Art von Arbeit hemmt?
Thun: Das ist eine gute Ausflucht, um weiterhin so zu arbeiten wie bisher und keine neuen Herangehensweisen auszuprobieren: alles bleibt beim Alten. Hier stellt sich auch die Frage, wie leidensfähig die Mitarbeiter sind. Das heißt, mit wieviel Schmerz und Leid man im Grunde genommen einfache Projekte umsetzen möchte.

„A fool with a tool is still a fool“

Innerhalb der vergangenen 5-10 Jahre hat sich auf dem Software-Markt einiges getan: Verschiedenste Projektmanagement-Softwares sind mittlerweile auf dem Markt und haben sich schnell weiterentwickelt. Für wie nützlich halten Sie diese Entwicklung?
Thun: „A Fool with a tool ist still a fool.“ Werkzeuge helfen nichts, wenn man den methodisch-strukturellen Ansatz des Projektmanagements nicht eingeführt und nicht verstanden hat.

Inwiefern verändert diese Technologie Ihre Arbeit? Braucht bald niemand mehr professionelles Projektmanagement?
Thun: Es kommt auch mit einer Software immer auf den Reifegrad der Projektteams und die stringente Einhaltung der gemeinsam vereinbarten Regeln an. Bisher habe ich noch kein Projekt gesehen, das nur durch Software gesteuert wurde. Noch sitzt vor jedem Bildschirm ein Mensch und das ist meine Schlüsselressource. Diesem Menschen muss ich alle für ein Projekt notwendigen Ressourcen bereitstellen, damit mein Projektteam erfolgreich arbeiten kann.

Bergen diese teilweise komplexen Programme auch eine Gefahr, sich zu „verrennen“ und am Ende weniger effektiv, strukturiert und wirtschaftlich zu arbeiten?
Thun: Solche Gefahren gibt es, sie bieten aber gleichzeitig eine Chance. Und zwar, dass transparent gemacht wird, wo die wirklichen Defizite in der angewandten Methodik liegen, die durch das Werkzeug eigentlich nur umgesetzt werden soll.

Hauke Thun (Jahrgang 1964) ist Gründer und Inhaber der House of PM GmbH. Die Hamburger Projektmanagement-Spezialisten bündeln die Bereiche operatives Projektmanagement und Beratungsdienstleistungen. Vor der Gründung im Jahre 2003 war der Dipl.-Ing. der Technischen Informa-tik zwölf Jahre in unterschiedlichen Funktionen in den Bereichen Software-Entwicklung, Projektmanagement und Unternehmensführung tätig. Thun engagiert sich außerdem als Assessor für den IPMA Project Excellence Award und seit 2013 als IPMA DELTA Foreign Assessor.

Lesen Sie außerdem unsere Checkliste von Hauke Thun: Fünf Tipps für Ihr Projektmanagement

Autor: Julian Christ

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