Serie Corporate Videos im B2B-Marketing (Teil #1)

24.09.2019
Unternehmensvideo B2B
Quelle: unsplash.com
Bevor es zum Dreh geht, ist eine detaillierte Planung und ein Briefing aller Beteiligten ein Muss.

Wie konzipiere ich ein Unternehmensvideo?

[Lesezeit: 5-7 Minuten] Video Content ist aktuell der meist konsumierte Inhalt im Netz. Auch nach Jahren nimmt dieser Trend nicht ab. Videos sind nicht nur als Werbeclips nützlich, sondern auch ein gutes Medium, um das Unternehmen und die Mitarbeiter/innen vorzustellen. Doch regelmäßige Produktionen erfordern zusätzliche Skills und Ressourcen.

Obwohl in Zeiten von Smartphones und Social Media jede/r Videoinhalte drehen und veröffentlichen kann, gilt es vor allem als Unternehmen einige Punkte zu beachten, um mit den produzierten Filmen wirklich erfolgreich zu sein.

Doch wie konzipieren Sie als Marketer ein erfolgreiches Corporate Video, das den Unternehmenscharakter repräsentiert und für Aufmerksamkeit sorgt? Wie vermarkten Sie das fertige Video möglichst nachhaltig? Und ist es am Ende wirtschaftlicher, externe Profis mit der Produktion zu beauftragen oder interne Ressourcen dafür aufzubauen?

Diese Fragen, sowie alle Aspekte des Videodrehs, der Postproduktion und der darauffolgenden Verwendung stellen wir Ihnen in unserer neuen vierteiligen Serie „Corporate Videos im B2B-Marketing“ vor. Los geht es in dieser Ausgabe mit Teil 1: „Wie konzipiere ich ein Unternehmensvideo?“

Unternehmensvideos – warum überhaupt?
Im digitalen Zeitalter ist es in den seltensten Fällen sinnvoll, als Unternehmen nicht mit Videos auf Social-Media-Kanälen vertreten zu sein. Ob Sie die Mitarbeiter/innen oder Ihre Produkte in den Mittelpunkt stellen: Ein einminütiges Video sorgt für mehr Aufmerksamkeit als jeder noch so ausführliche Text. Zudem erreicht es vor allem jüngere Follower, was beispielsweise beim Recruiting Vorteile bringt.

Tina Kolly, Inhaberin der Produktionsfirma ROCKING PIX GmbH aus Berlin, sieht je nach Branche auch noch einen Wettbewerbsvorteil im Videomarketing, da vor allem in B2B-Branchen noch nicht alle Unternehmen mit solchen Medien arbeiten, sondern auf klassische Werbemaßnahmen zurückgreifen. „Dabei sind Emotionen, wie sie durch Videos vermittelt werden, unschlagbar, und werden jedem gut geschriebenen Text vorgezogen“, meint Kolly im Interview mit TONNO DIGITALE.

Als Produzent/in Ihres eigenen Unternehmensvideos haben Sie die volle Kontrolle darüber, Ihr Unternehmen und Ihre Produkte im besten Licht zu präsentieren. Diese Präsentation kann sowohl in Form eines längeren Imagefilms als auch kürzerer „Behind the Scenes“-Videos erfolgen. Der Imagefilm präsentiert üblicherweise das Unternehmen und seine Mitarbeiter/innen insgesamt und führen Produkte und Expertise vor. Kürzere Videos porträtieren einzelne Mitarbeiter/innen und deren Aufgaben, begleiten den Auftritt bei einem Event oder stellen kurz eine Produkteneuheit vor.

Anhand dieser Unterschiede wird schon erkennbar, dass das Format und der Zweck eines jeden Videos gut überlegt sein muss. Um das zu erreichen, ist es aber nötig, das Video von vornherein strukturiert zu planen.

Quelle: Jörg Pattiss
Eindrücke einer Veranstaltung dürfen auch gerne "handgemacht" aussehen - Hauptsache, sie wirken authentisch.

Zielvorgabe klären
Das A und O eines jeden Videodrehs ist ein sorgfältig ausgearbeitetes Konzept. Der/die Marketingleiter/in und das verantwortliche Team müssen sich im Vorfeld genau überlegen, was sie in ihrem Video präsentieren und wen sie damit erreichen möchten. Arbeiten Sie als Marketer mit einem Dienstleister zusammen, fällt die Vorbereitung dafür weniger detailliert aus, als wenn Sie selbstständig für den kompletten Dreh verantwortlich sind.

Tina Kolly betont, dass ihr als Dienstleisterin ein gutes Briefing lieber ist, als ein fertiges Konzept, das der Kunde im schlimmsten Fall schon intern von der Geschäftsführung absegnen lassen hat. Diese Ideen umzustrukturieren und mit der Geschäftsleitung erneut abzuklären ist ein unnötiger Aufwand und verbrennt Zeit und Ressourcen. Tina Kollys Tipp: Bringen Sie am besten ein paar Beispiele mit, die Sie recherchiert haben und besprechen Sie mit Ihrem Dienstleister, wie sich die Ideen umsetzen lassen.

Auch Jörg Pattiss, Produzent und Video-Marketing-Experte aus Wien, erzählt, wie Kund/innen oft mit falsch gesetzten Prioritäten zum Briefing kommen. Viele denken zuallererst an die benötigte Hardware und Ausstattung, dabei sind ganz andere Aspekte entscheidend, meint er: „Die Pre-Production ist das Wichtigste an jedem Videodreh. Nur mit einer ausgearbeiteten Idee und einem vernünftigen Redaktionsplan gelingt ein Filmdreh.“

Die Pre-Production konzentriert sich also eher auf den Inhalt Ihres Videos, wie die Botschaft und die Geschichte, die Sie damit erzählen wollen. Sammeln Sie Ideen, wählen Sie Protagonisten und beschäftigen sie sich mit der ausgewählten Zielgruppe.

Erst dann fangen Sie an, sich um Equipment und Termine und, falls nötig, zusätzliche Dienstleister zu kümmern.

Rahmenbedingungen
Damit ein Video herauskommt, wie Sie es sich wünschen, müssen einige Rahmenbedingungen festgelegt werden, insbesondere in puncto Dreh und Nachbearbeitung des Videos. Dazu zählen:

• Klären und besorgen Sie die nötige Technik (Hardware und Software)

• Wählen Sie Drehorte. Kann bei Ihnen im Unternehmen gedreht werden oder müssen Sie einen Drehort buchen?

• Sind im Video Mitarbeiter/innen zu sehen, müssen diese ihr Einverständnis geben und ein Briefing erhalten

• Wenn Sie Schauspieler/innen benötigen, müssen diese frühzeitig gecastet und gebucht werden

• Klären Sie, ob Sie externe Agenturen zur Beratung und Erstellung des Videos benötigen

All diese Aspekte sollten zusammen mit den Erkenntnissen aus dem Redaktionsplan, genauen Deadlines und Aufgabenverteilungen in das Konzept aufgenommen werden.

Planen Sie als Marketer das Video mit Ihrem Team selbstständig, ist es wichtig, eine/n Projektverantwortliche/n zu bestimmen. Bei der Kooperation mit einem Dienstleister müssen Sie bereit sein, dessen Rat und Input anzunehmen und Aufgaben an ihn zu übergeben.

Quelle: Jörg Pattiss
Ein Imagefilm muss qualititiv hochwertig aufbereitet sein, um das Unternehmen angemessen zu porträtieren.

Der Umgang mit Ressourcen
Ein Unternehmensvideo kann auch schon mit relativ einfachen Mitteln umgesetzt werden.

Jörg Pattiss sieht nicht so sehr die finanziellen Mittel als entscheidende Investition, sondern die Zeit, die ein Unternehmen einplanen muss, um ein gelungenes Video zu produzieren.

Der Zeitaufwand fällt unterschiedlich aus, je nachdem ob Sie im Unternehmen selbstständig drehen und produzieren oder ob Sie mit einer Produktionsfirma zusammenarbeiten.

Setzen Sie Mitarbeiter/innen dafür ein, die Videos zu planen, zu drehen, zu bearbeiten und zu veröffentlichen, muss gewährsleistet sein, dass diese Zeit intern eingeplant ist.

Oftmals müssen sich Mitarbeiter/innen auch in Tools und Technologien einarbeiten, was zum Zeitaufwand beiträgt.

Für die Arbeit mit Dienstleistern wiederum müssen Sie Briefings, Absprachen und Feedbackrunden einplanen, die zeitaufwändig sind.

Pattiss berichtet im Interview, dass ihm Kund/innen begegnet sind, die es vor lauter Perfektionismus nicht geschafft haben, jemals Videos zu posten. Seiner Meinung nach hilft es Unternehmen eher, Videos zu veröffentlichen, die noch ein paar Schönheitsfehler haben, die aber trotzdem für Aufmerksamkeit sorgen und den Onlineauftritt erweitern.

„Authentizität ist den Zuschauer/innen wichtiger als ein makellos produzierter Film“, meint er. Tina Kolly hingegen ist der Meinung, dass authentische Videos zwar sinnvoll sind, aber eine Art von Video auf jeden Fall professionell produziert werden muss: „Ein Imagefilm darf niemals nur mit der Handykamera aufgenommen werden“, rät sie. „Da müssen Unternehmen aufpassen, dass sie sich nicht blamieren. Ein angesehenes Mittelstandsunternehmen darf sich nicht nur mit einem wackeligen Video präsentieren. Für diesen Zweck empfehle ich immer professionelle Hilfe.“

Management Summary
Unternehmensvideos müssen von vornherein klar strukturiert und durchdacht sein. Arbeiten Sie mit einer Produktionsfirma zusammen, sollten Sie sich für ein ausführliches Briefing überlegen, welche Botschaft Sie vermitteln wollen, welche Zielgruppe Sie ansprechen und welcher Stil Ihnen gefällt. Recherchieren Sie Beispiele und erarbeiten Sie gemeinsam mit den Dienstleitern ein Konzept. Produzieren und drehen Sie selbst, müssen Sie den Mitarbeiter/innen zusätzlich genügend Zeit einräumen, sich in die Technologien einzuarbeiten, den Film umzusetzen und ideal zu vermarkten.

Wichtig ist es, zwischen verschiedenen Formaten zu unterscheiden. Obwohl Authentizität gefragt ist, müssen Formate wie ein Imagefilm Professionalität ausstrahlen, während kurze Einblicke auch gerne mit dem Handy gefilmt werden dürfen.

Weitere Tipps für die optimale Vorbereitung Ihres Videokonzeptes finden Sie in unserer Checkliste.

Mit dem Thema Unternehmensvideo geht es in den nächsten Ausgaben von TONNO DIGITALE weiter. In Teil zwei werden wir uns mit der Suche nach dem passenden Stil für Ihr Corporate Video beschäftigen. In Teil drei stellen wir Ihnen die nötige Soft- und Hardware für vor und holen uns Tipps von Experten. Der vierte und abschließende Teil gibt Ihnen Tipps, wie Sie Unternehmensvideos am besten vermarkten und tracken.

Tina Kolly Quelle: Tina Kolly

Über Tina Kolly
Tina Rea Kolly ist Geschäftsführerin der Werbefilmproduktion ROCKING PIX GmbH und hat mehr als zehn Jahre Erfahrung als Produzentin für internationale Brands. Zudem coacht sie Firmen und Freelancer, die selber Videos drehen wollen und bringt so das nötige Know-How für professionelle Videos ins Unternehmen.

Jörg Pattiss UnternehmensvideoQuelle: Jörg Pattiss

Über Jörg Pattiss
Jörg Pattiss ist Online-Video-Marketing-Berater, Vortragsredner, Blogger und unterrichtet an der Fachhochschule Hagenberg, Österreich.

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